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Festivalbericht: Badesaison Kultifest

Freitag 12.09.2014 // Tag 1
Noch etwas ausgepowert vom Vortag begab ich mich nach Fürth, in eine Location an der Uferpromenade der Rednitz.

Der Verein Badstraße 8 betreibt unter dieser Adresse einen Kulturort mit Ateliers und Café in einer alten Militärbaracke. Das Gelände diente früher als Teilabschnitt des ehemaligen Flussbads. Bereits letztes Jahr war ich auf einem Konzert zu Gast und war sofort begeistert von diesem Ort als Konzertlocation.

Einmal im Jahr steigt dort das Badesaison Kultifest mit einer Mischung aus regionalen und überregionalen Acts, mittlerweile zum sechsten Mal.

Eröffnet haben The Funnyounguys, zwei Schwestern aus der Region, die mit zwei Akustik-Gitarren wunderbaren Folkpop auf die Bühne bringen und auf der Bühne gelegentlich von befreundeten Künstlern mit Harmonika, Cajon und Bass begleitet werden. Bald kommt ihr Debütalbum „Tries & Triggers“ und man darf gespannt sein, denn die EP „Best Friends“ von letztem Jahr ging schon gut ins Ohr.

Funnyounguys - Kopie

Es folgte mit Frieder Graef das letzte erwähnenswerte Bühnenstück für den Abend. Vor nicht allzu langer Zeit noch bei Smokestack Lightning bzw. als Begleitmusiker von Gudrid Hansdottir unterwegs oder auf Tour mit The Boss Hoss, Bela B. usw., jetzt auf der Bühne als Singer/Songwriter mit modernem Folkrock, der sich hören lassen kann. Nächste Möglichkeit, ihn zu sehen, gibt’s beim Nürnberg Pop Festival, schaut es euch an!

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Auch wenn die Schnappschüsse den Eindruck vermitteln, es gäbe kein Publikum, täuscht das. Die Gäste haben sich allesamt eher im hinteren Drittel der Halle verschanzt.

Publikum - Kopie

Die übrigen Bands des Tages waren nicht schlecht, haben aber leider in dem Moment ihres Auftritts meinen Geschmack nicht getroffen. Dennoch seien sie hier kurz erwähnt:

Fabian Simon mit einer „Mischung aus Songwriter-Tugenden, kammermusikalischem Folk und durchgeknalltem Space/Kraut-Pop-Experiment“, sowie Sun and the Wolf (in Berlin ausgesetzte Neuseeländer) mit Psychedelia-Rock.

Soviel für den Freitag, ab nach Hause.

Samstag 13.09.2014 // Tag 2
Mit neuer Energie auf zum zweiten Festivaltag in der Kunstbaracke. Die Freude war groß, denn es standen drei Bands auf dem Plan, die ich bereits einmal live erleben durfte und richtig gut fand.

Den Auftakt gab das Duo The Devil’s Dandy Dogs mit Kontrabass und Dobro und einer Mischung aus Country, Blues und Rockabilly. Das ganze konnte sich aber zumindest bei mir nicht im Ohr festsetzen, also weiter im Programm.

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Your Careless Spark, im März bereits im Festsaal des Künstlerhaus genossen, überzeugten durchaus auch ein zweites Mal. Die Band hat den Dreh raus und verbindet die vermeintlichen Gegenpole leise/laut und melancholisch/enthusiastisch zu einem unverwechselbar tollem Sound. Die Einflüsse der Band werden mit Elbow, Turin Brakes, The National oder Bon Iver angegeben. Zu hören auch auf dem gleichnamigen Album „Your Careless Spark“, welches Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Fazit: Reinhören lohnt sich.

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Der Auftritt von Festland war wiederum etwas gänzlich anderes, hatte eher was von einer Mischung aus Kunstperformance und Kirchenchor. Die Texte haben teilweise Ohrwurmcharakter, ein dreistimmiger Gesang der Band trifft auf Geige, Kontrabass und diverses Klangholz. Derart reduziert, wurde ein rein akustisches Set auf die Bühne gebracht, das Publikum ganz nah vor die Bühne geholt und zum Schluss als Chorgesang in den letzten Song eingebaut. Etwas strange, aber irgendwie passt es doch zu einem Ort wie der Badstraße.

Festland - Kopie

Und wieder Stilwechsel, der letzte des Abends, denn die beiden letzten Bands gehen beide in die Richtung der elektronischen Popmusik.

Zuerst g.e.f. – Es gibt nicht viele Infos zur Band, eine Webseite gibt es nicht, nur auf Facebook lassen sich die drei Münchner gelegentlich blicken. Auch die Buchstaben des Bandnamens stehen nicht für feste Begriffe, sondern werden immer wieder anders ausgelegt. Die experimentelle Popmusik, die detailverliebt daherkommt, ist einfach nur klasse: Geräusche, Klangschnipsel, Melodiewolken, die direkt in die Beine gehen. Das dazugehörige Stimmbild erinnerte ein bisschen an Placebo. Erste Amtshandlung nach dem Konzert mit unvermeidlicher Zugabe: Ab zum Merchstand, das Debütalbum „re:tourne“ shoppen und der Band empfehlen, doch mal ein Konzert in Nürnberg zu geben. Dort waren sie bereits einmal zu Gast, ebenfalls in einem eher speziellen Rahmen bei Across – Die Konzertreihe im Neuen Museum. Aber ein zweites Konzert kann nicht schaden, die Musik gehört bekannt gemacht. Das CD-Cover ist im Übrigen ein Unikat, selbstgebastelt von der Band und jede, die auf dem Tisch lag, sah anders aus.

g.e.f. - Kopie

Es folgten Bergfilm, die sowohl ihren Festivalsommer als auch das gelungene Badesaison Festival gebührend beendeten. Das Quartett aus Köln lieferten souveräne, progressive und hüftschwingende Electro-Pop-Perlen ab, die sie bereits 2013 auf ihrer ersten Tour u.a. auch im club stereo in Nürnberg präsentierten. Fesselnder Sound mit großer Stimme, der sowohl mich als auch die gut gefüllte Baracke in seinen Bann zog. Großartig! Ein Debüt-EP mit dem Titel „Home“ folgt am 10. Oktober. Den Termin hab ich mir schon mal in den Kalender gesetzt, bis dahin muss die Preview auf der Homepage herhalten.

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Text & Bilder: / André Prager / Addicted to Concerts NBG