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Konzertbericht: Dinosaur Jr

Zeitreise in die eigene Jugend

Ich war eigentlich fest davon überzeugt, mit meinen fast 35 Lenzen in der Blüte meines Lebens zu stehen. Bloß: Warum war ich dann beim Dinosaur Jr Konzert im Erlanger E-Werk in der Riege der jüngeren Besucher? Lag es an meiner ausgezeichneten musikalischen Frühförderung? Daran, dass ich dank der Kassetten und CDs meiner Cousins und Cousinen mit Punk, Heavy Metal und Grunge groß wurde und nicht mit NDW und Euro-Dance? Ist ja eigentlich auch egal.

Die Baby-Dinosaurier um Mastermind J Mascis klangen jedenfalls noch genau so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Sie klangen immer noch nach dem Sound, der eine ganze Generation – meine Generation – geprägt hat und der am Ende mit dem Grunge eine eigene Musikrichtung begründete.

In diesem Sinne: was braucht man mehr als eine Bühne, eine Stromgitarre und den Regler auf „Schrammeln“ gestellt?

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Dieses Konzert kann man schwer beschreiben. Das klingt jetzt für nen Konzertbericht ziemlich doof, aber man muss es wohl wirklich erlebt haben.
Es gab kein „Hi, we’re Dinosaur Jr and we Play Rock’n’Roll.“ oder jegliche andere Interaktion mit dem Publikum, einfach nur 3 Männer in den 50ern und ihre Musik aus den 90ern, und das war verdammt nochmal richtig so! Es gab lange, verzerrte und vor allem laute Gitarrensoli und immer dieser leicht vernuschelte Gesang von J Mascis.

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Es war auch nicht wie bei anderen Bands, die in etwa so lange existieren wie Dinosaur Jr, dass nach ner Stunde Feierabend ist und alle in ihrem Minivan nach Hause fahren, weil am nächsten Morgen die Kinder wieder zur Schule müssen und der Babysitter möglicherweise’nen Nachtzuschlag verlangt. Satte 18 Stücke umfasste die Setlist, das machte 90 Minuten Vollgas. Jedes Riff saß und die Klassiker wurden frenetisch gefeiert. So muss ein Konzert von Indie-Legenden sein. Nicht zu aufgesetzt, sondern genau so Anti-Rockstar, wie die Band schon immer auf mich wirkte.
Das war ein verdammt ehrlicher Abend!

Noch ein paar lobende Worte zur Vorband: The Boys You Know aus Österreich werden in ihrer Heimat schon als die österreichischen Pixies gefeiert und konnten auch mich überzeugen.
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Unprätentiöser Gitarrensound, der tatsächlich des Öfteren an die Pixies erinnert. Die muss man im Auge behalten! Könnte das nächste große Ding aus dem Nachbarland werden.

www.dinosaurjr.com
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/ Text: Simon Strauss / Bilder: André Prager /