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Konzertbericht: Isolation Berlin

Ein Kloster aus Serotonin

Zum Abschluss des diesjährigen St. Katharina Open Airs hatten die Veranstalter tief in der Indie-Schublade gewühlt und mit Isolation Berlin eine der hochgelobtesten deutschen Bands der letzten Jahre geholt. Einem grandiosen Finale stand also nichts im Wege.

Die vier Berliner Jungs, deren Texte und Sound gerne mal an Element of Crime erinnern und sowohl von der Tristesse des Alltags, als auch vom Eskapismus aus ebendieser handeln, kamen auf die Bühne und legten auch gleich furios los.

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Das Programm bestand zum größten Teil aus Stücken des neuen Albums „Vergifte Dich!“, was aber nicht weiter verwunderlich war, ist doch die Tour genauso benannt. Mit seiner an Rio Reiser erinnernden Stimme zog Sänger Tobi das bunt gemischte Publikum in seinen Bann und mit seiner Nähe zum Mikrofon brachte er wahrscheinlich Zahnprothesenhersteller zum heimlichen Frohlocken. Egal ob von seinem Leben als Textdichter und dem damit verbundenen regelmäßigen Geldabheben am Pfandautomat, oder von unterschiedlichsten Liebschaften, sei es mit Annabelle, Lisa oder Marie, die Texte sind fein geschliffene Poesie, wie man sie heutzutage viel zu wenig hört. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt jedoch das etwas depressiv angehauchte „Alles grau“, weil es genau so klingt, wie ein Song, den Rio Reiser in der heutigen Zeit schreiben würde. Ein Song über die einziehende Alltagsdepression und dem Sich-Damit-Abfinden. „Ich hab‘ endlich keine Träume mehr, Ich hab‘ endlich keine Hoffnung mehr, Hab‘ endlich keine Emotionen mehr, Ich hab‘ keine Angst vorm Sterben mehr“, klingt wie die heimliche Hymne der Millennials.

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Aber trotzdem war das Konzert keineswegs düster oder trüb, denn die Jungs verstanden es, diese Texte so energetisch auf die Bühne zu bringen, dass man mitgerissen wurde und auch trotz innerer Glückseligkeit die traurigen Zeilen aus vollem Halse mitsang. Eigentlich schaffte es dieses Konzert sogar, die innere Glückseligkeit noch weiter auszubauen. Musik macht nun mal glücklich, auch wenn es traurige Musik ist. Vielleicht ist es auch die Musik, die Isolation Berlin dazu bringen, sich ein Kartenhaus aus Serotonin zu bauen. Denn wenn es einstürzt, dann kann man immer noch in den Trümmern tanzen.

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/Text & Bilder: Simon Strauß /