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Konzertbericht: Max Mutzke

„Will Nürnberg dahin, wo es laut ist?“ fragt Max Mutzke, und Nürnberg ist sich einig: „Jaa!“, jubelt das Publikum. Womit es alles richtig gemacht zu haben scheint, zeichnet sich der Hirsch doch am vergangenen Dienstagabend nicht zuletzt dadurch aus, mal zu zeigen, was die PA so drauf hat.

Aber kann man ja mal machen. Mit den ganz so leisen Tönen hat er eh eigentlich nichts zu tun, der Badenser, der als die singende Augenbraue vor über zehn Jahren von Stefan Raab als Kandidat für den Eurovision Song Contest 2004 aufgebaut wurde. Mit dem (ein) wenig mitreißenden „Just can’t wait until tonight“ belegte der heute 34-Jährige einen kommoden achten Platz, um anschließend effektvoll weitgehend in der Versenkung zu verschwinden – zumindest was die Beachtung der popkulturellen Großöffentlichkeit betrifft. Jetzt ist er wieder da, hat, hört hört, ein viertes (!) Album im Gepäck, über das der geneigte Hörer erfährt, es sei im Gegensatz zum vorhergehenden nicht mit Coverversionen, sondern Eigenkompositionen versehen, die vornehmlich autobiographischer Natur sind.

Die Begleit-Band, eine holländische Formation namens „monoPunk“, zähle zu „den besten Soul- und R’n’B-Bands der Welt“, wie man außerdem lernt. Und in der Tat auch hört. Max Mutzke spielt mit seiner Stimme zwischen rauchig und Fagott, rutscht hier und da mal ab ins Kieksen und Jodeln, aber das ist bestimmt auch Kunst. Die Songs zwischen groovigem Soul und dramatischer Ödnis kommen mal auf Deutsch daher, mal auf Englisch, was sich aber gern mal erst im Laufe des jeweiligen Vortrags herausstellt – je lauter der Sänger, desto undeutlicher der Gesang. Aber es geht ja hier nicht um die Inhalte. Oder doch, schließlich wird der Tod der Mutter ebenso verarbeitet („You are all around me“) wie deren schmerzliches Dahinsiechen („Hier bin ich Sohn“).

Bevor dann aber alle weinend einschlummern, geht’s quasi übergangslos hinein in fetzig-sexuelle Liebeserklärungen („Schwarz auf Weiß“), gespickt mit Wackelmikrophoneffekten, kleiner Jonglage und launigen Geschichten über, „und ich weiß, das hört sich jetzt total schleimig an“, Tour-Städte, die Heimatgefühle auslösen, vor allem Nürnberg, da habe man jetzt tagsüber Bierkneipen durchtourt und Kurzurlaub auf der Kaiserburg gemacht. Da freut sich der Hörer, mei, unser Max, das war ja schon im Luitpoldhain neulich so a netter. Deswegen appelliert er auch daran, weniger Regeln zu befolgen, gesetzt den Fall, man verletze niemandes Würde, auf dass die Welt eine buntere und lustigere würde, „ich will dahin wo’s laut ist, wo Dreck liegt und Staub ist“ – da juchzt der innere Revoluzzer. Kurz. Ansonsten wird gefeiert, vornehmlich die Liebe, und wären da nicht diese „monoPunk“, dann wär’s halt doch am End nur eine singende Augenbraue. Aber wie der Franke sagt: bassd scho.

// Text: Katharina Wasmeier / Foto: Simon Strauss //