moddi

Nachbericht: Moddi

Our favorite Hobbit from the North

Kunstfreiheit, Freedom of Expression, es gibt viele Begriffe für ein simples Konzept: Kunst darf (fast) alles. Doch trotz dieser eigentlich universellen Freiheit für Künstler, gibt es viele Songs, die schlicht nicht im Radio gespielt werden. Sei es wegen der Aussage des Songs, wegen getroffener Aussagen der Künstler, oder vielleicht auch einfach nur, weil der Song schlecht ist.
Auf die 12 Songs, die Moddi auf seinem aktuellen Album „Unsongs“ covert, treffen nur die ersten beiden Punkte zu. Hier trifft Kate Bush auf Pussy Riot, die norwegische Folksängerin Birgitte Grimstad auf Liu Xiaobo. Zwölf verbotene Songs aus zwölf verschiedenen Ländern. Alle aus politischen Gründen verboten worden. Die Künstler hatten wie Kate Bush Glück, dass sie „nur“ nicht im Radio gespielt wurden, oder zahlten wie der chilenische Künstler Víctor Jara mit ihrem Leben.

Zu jedem der Songs erzählte Moddi eine kleine Geschichte über die Hintergründe der Künstler, über die Auswirkungen auf die Künstler und weshalb er diesen Song für sein Album gewählt hat.
Die Location war mit einer Weltkriegsruine mehr als perfekt gewählt. Zeigt die Katharinenruine doch nur zu gut, wohin es führen kann, wenn eine Regierung kritische Stimmen verstummen lässt.
Auch der Himmel öffnete pünktlich zur Pause seine Schleusen und weinte Tränen der Rührung. Dank der vom St Katharina Open Air bereitgestellten Regenponchos wurde aber niemand durchnässt und Moddi konnte den zweiten Teil seines Konzerts vor einem Publikum spielen, dass aussah als wäre es direkt aus Schlumpfhausen angereist.
Aber nicht nur Petrus war ergriffen, auch ich hatte von der ersten bis zur letzten Minute Gänsehaut und immer eine kleine Träne im Augenwinkel. Die Interpretation der Unsongs durch diesen kleinen barfüßigen und wuschelköpfigen Norweger war ganz ganz großes Kino.

Es war keineswegs ein depressiver Abend, Moddi schaffte es durch seine Ansagen auch immer wieder die Stimmung zu heben und sorgte für den ein oder anderen Lacher. Unter anderem indem er von sich eigentlich nur als „Hobbit from the north“ sprach. Die nachdenkliche Stimmung, welche er mit seinen Songs erschuf, waberte aber immer wie eine Regenwolke über dem Publikum und beschäftigte wahrscheinlich alle Anwesenden noch etwas länger.
Moddi spielte nicht die Originale der verbotenen Stücke, sondern übersetzte die Titel ins Englische, zerlegte die Songs, fügte die Melodien wieder zusammen, so dass Pussy Riot nicht wie im Original klingen, sondern der „Punk Prayer“ klang, als wären die Russinnen in einem Fjord aufgewachsen.
Hierbei wurde er von Katrine Schiott am Cello begleitet und auch gesanglich unterstützt.
Katrine begleitet ihn seit Jahren und die beiden harmonieren deshalb wunderbar.

Der Hintergrund zu „Unsongs“ ist, dass Moddi vor ein paar Jahren ein Konzert in Tel Aviv geben wollte und daraufhin eine Welle des Protests über ihn hereinbrach. Viele konnten nicht verstehen, dass er auf Grund des Israel-Palästina Konflikts ein Konzert in Israel spielen wollte. Auch seine Antworten, dass er doch nur Lieder über sein Liebesleben, das Leben am Meer und sich selbst sänge und keinerlei politische Ambitionen habe, ließen die Proteste nicht verstummen und so entschloss er sich schweren Herzens das Konzert abzusagen. Daraufhin meldete sich die Eingangs erwähnte Birgitte Grimstad bei ihm und erzählte ihm von ihrer Israel-Tour in den 80ern. Damals tobte der Libanonkrieg und in diesem Krieg weigerte sich der israelische Oberst Eli Geva in das belagerte Beirut einzumarschieren. Ihm zu Ehren schrieb Richard Burgess für Birgitte ihren Song „Eli Geva“, welchen sie während ihrer Tour in Israel vortrug. Teilweise wurde er positiv aufgenommen, aber meist war die Reaktion eher negativ. Bei einem Auftritt teilte ihr sogar der norwegische Botschafter mit, dass er den Saal verlassen müsse, sollte sie den Song spielen. Sie entfernte den Song daraufhin aus ihrer Setlist und für über 30 Jahre blieb er ungesungen.
Birgittes Geschichte bewegte Moddi dazu das Album „Unsongs“ aufzunehmen.
Im Rahmen dieser Geschichte sagte er den in meinen Augen wichtigsten Satz des Abends;

„I thought music can change the world, but the world changed my music.“

Ich möchte Euch allen nahelegen, euch mit dem Projekt unter unsongs.com näher zu beschäftigen und hört einfach mal die Songs an. Sie sind trotz ihrer tragischen Geschichte wunderschöne Songs voll Hoffnung, Verzweiflung, Wut und vor allem ganz viel Gefühl.

Tusen Takk Moddi og Katrine!


www.moddi.no/
www.facebook.com/moddimusikk/

/ Text und Bilder: Simon Strauß /