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Konzertbericht: der Nino aus Wien

„Wie schön wäre Wien ohne Wiener“

Diesen doch etwas gemeinen Satz des österreichischen Kabarettisten Georg Kreisler würde ich jetzt so nicht unterschreiben.
Natürlich, der Wiener strahlt immer diese etwas gelangweilte Arroganz aus, hat aber dafür auch seinen Schmäh und diesen unvergleichlichen Charme, der ihn dann wieder sympathisch macht.
Da Wien mittlerweile auch ein Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen ist, hat Kreisler aber vielleicht auch das geschafft, was er damals besang. Es gibt kaum mehr richtige Wiener.

Einer der letzten Wiener Mohikaner stand am vergangenen Samstag im Club Stereo auf der Bühne.
Singer-Songwriter Nino Mandl, besser bekannt als der Nino aus Wien, gab seine Songs und auch seine Wiener Art zum Besten.
Diese latente Gelangweiltheit und Arroganz, die für den Wiener so typisch ist, wurde ihm schon in die Wiege gelegt und passt auch einfach perfekt zu ihm. Seine kurzen Geschichten wurden ohne große Emotionen vorgetragen, weil sich der Wiener halt auch net drum scheißt.

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Selbst als sein Lieblingsverein Rapid Wien, seit Jahren mit dem ruhmreichen 1. FC Nürnberg befreundet, thematisiert wurde, kamen kaum Emotionen durch. „Ja geh, in Europa gegen Inter Mailand, daham stehst in der Qualifikationsgruppe…“ Aber auch über den Club war er gut informiert und teilte sein Mitgefühl über die aktuelle Tabellensituation mit.

Seine Songs, egal ob Spazierlied, das beim Spazierengehen geschrieben wurde, oder Sitzlied, das im Sitzen geschrieben wurde, ließen die Zuhörer schmunzeln und auch mitsingen. Das durchaus etwas gesetztere Publikum genoss diesen trockenen Humor und seine, in all ihrer Gelangweiltheit und Arroganz unglaublich sympathische Art, sichtlich.

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Sehr amüsant fand ich vor allem die beiden Damen hinter mir, die sich zu Beginn des Konzerts noch angeregt unterhielten und ihre Tickets checken wollten, wer denn diese Vorband sei. Im Laufe des Abends kristallisierte sich aber auch für sie heraus, dass es wohl keine Vorband gab, denn die Gespräche verstummten langsam aber sicher.

Der Nino aus Wien ist seit Jahren bereits ein Stammgast im Club Stereo und wird sicherlich wiederkommen, genau wie ich.

derninoauswien.com/
facebook.com/DerNinoAusWien/

/ Text & Bilder: Simon Strauß /