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Nachbericht: Peter Doherty

Verwundert bisweilen perplex reagierte das Publikum, als die Ikone der Verspätungskultur die Bühne um 20:15 betrat, in der Vergangenheit wurden zwei größere Konzerte in Hamburg abgesagt. Unklar war, ob das frühe Erscheinen an diesem Abend ein Versöhnungsangebot seitens Doherty war, oder ob der Veranstalter mit seinem Timline-Korsett Druck ausgeübt hatte.
Während Peter Doherty 2009 stets alleine mit seiner Gibson J-45 Akustik Gitarre unterwegs war, hat er seit zwei Jahren eine vollständige Band um sich versammelt ,,The Puta Madres’’.

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Am Bass befand sich Drew McConnell, der diese Position normalerweise bei den Babyshambles behauptet. Jack Jones spielte Gitarre und fungierte als – über Ketamin – fluchender Vorbandpoet. Am Keyboard sichtete man die Lebensgefährtin von Peter Doherty, Katie.
Neben ein paar wechselnden Mitgliedern gewann man den Eindruck, dass diese Bandkonstellation überwiegend auf zwischenmenschlicher Ebene entstanden ist. Der Umgang zwischen Doherty und Jack Jones schien sehr harmonielastig, fast schon familiär. Teilweise hatte man das Gefühl, die Bandmitglieder und Mitwirkenden wären schon seit Jahrzehnten Bestandteile eines kleinen improvisierten Abenteuerzirkuses.

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Durchweg aggressiv war die Beziehung von Doherty zu seinem Mikrofonständer. Der Plural wäre sinnvoller, denn es warteten schon eine Reihe anderer Mikrofonständer neben der Bühne darauf, den aktuellen zu substituieren. Jeder Ständer war mit zehn Plektren verziert und verschwand in der Regel nach ein paar Minuten verzweifelt auf der Bühne oder im Publikum. Ähnlich rabiat war der Umgang mit dem Mikro, welches im 360 Grad Winkel durch die Räumlichkeiten schwebte.

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Das Konzept des Abends war transparent. Priorität hatte das Album ,,Hamburg Demonstrations’’. Der Sound des Konzertes verwies dabei, auf eine angeheiterte Stimmung mit Mut und sporadischer Gleichgültigkeit zum falschem Akkord. Doherty blieb hochprozentig unberechenbar.

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Als die Band um 22:15 nochmals die Bühne betrat, um einen weiteren Song zu spielen, schaltete der Mischer bzw. der Veranstalter den Sound ab. Im zuvor gespielten Song ,,Gates of Heaven’’ stellte Peter immer wieder die Frage ,,Choose your weapon J-45 or AK-47?’’. Peter traute sich leider nicht mehr seine J-45 zu ziehen und den Raum utopisch akustisch zu beschallen.
Somit endete dieser Text mit den Worten die zuletzt offiziell durch die große Freiheit 36 schallten. [Fuck …]

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Konventionsbrüche sind ansteckend und deswegen wird noch ergänzt, das Peter ein Tag später in Berlin drei mal den Song ,,Kolly Kibber’’ spielte. Lautstark wurde dabei von Doherty erwähnt, dass sie jetzt ein Musikvideo drehen werden und er dem Publikum insofern mehr Ekstase abverlange. Somit ein weiterer Konventionsbruchs von dem Herrn im Anzug, doch leider im negativen Sinne. Künstliche Euphorie. Nein Danke.

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/ Text und Bilder: Leo Zimmermann /