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Plattenkritik: Maeckes – Tilt

Das letzte Mal, dass ich hier über Maeckes geschrieben habe, war als ich ihn auf dem Unter einem Dach Festival gesehen habe. So begeistert war ich damals nicht von seinem Auftritt. Warum ich gerade so die Plattenkritik anfange – ich weiß es nicht. Vielleicht weil es ein gutes Beispiel ist, dass ich bei Maeckes immer neugierig und interessiert bin, aber es mir nicht automatisch gleich gefällt.

Neugierig und ohne lange zu zögern, nahm ich die Einladung zur Listening Session in den Red Bull Studios an. Einmal mit dem Künstler im Studio sitzen, das Album anhören, noch drei Lieder live und akustisch hören – da sage ich nicht nein! Das war schon ein Erlebnis für sich!
Besonders, als er drei Songs live gespielt hat, er war aufgeregt, weil er zum ersten Mal die Lieder spielte. „Tilt“ auch noch in einer besonderen Version, die erst an dem Morgen entstand. Ich muss ja gestehen, dass ich Akustik Sessions toll finde, aber auch intim und teilweise unangenehm. Wenige Meter trennen einen von dem Künstler und ich denke mir immer, dass er erkennen könnte, ob es einem gefällt oder nicht. Ich fühle mich da beobachtet. Ist wahrscheinlich für den Künstler auch nicht einfach, vor so wenigen Leuten zu spielen. Maeckes hat das mit Bravur überstanden und gemanagt und so saßen wir danach im Studio (naja, der Raum mit den ganzen Knöpfchen und Reglern – ihr wisst schon) und hörten in „Tilt“ rein. Ohne, dass Maeckes viel dazu erzählte. Er ließ die Songs für sich sprechen und jetzt beim zweiten Hören, alleine ohne Maeckes und nicht im Studio, wirken die Songs immer noch!

Zwischen den Liedern erzählte uns Maeckes wie „Tilt“ entstand, warum er so froh war, Tristan Brusch entdeckt zu haben und dass manche Songs in einer Hütte in Dänemark entstanden sind. Bevor ich hier viel in indirekter Rede schreibe, lasse ich lieber Maeckes Gedanken sprechen. Hier die Geschichte und die nackten Fakten zu „Tilt“.

Etwas, was man im Hinterkopf haben sollte, ist, dass die Solo Sachen von Maeckes anders klingen, wie wenn er zusammen mit den Orsons auf der Bühne steht. Tua klingt solo ja auch nicht nach den Orsons. Ich muss den Gedanken immer kurz beiseiteschieben und dann kann ich frei davon die Lieder anhören.

Lässt man „Tilt“ so auf sich wirken bzw. lasse ich es auf mich wirken, dann ist es kein leichtes Album. Wenn man mag kann man in die Songs viel reininterpretieren, was aber klar wird, ist, dass Maeckes sich viele Gedanken macht. Und das steckt an. Ich will das Album auch gar nicht im Hintergrund laufen lassen – das wäre ja eine Verschwendung. Man muss sich etwas Zeit nehmen, sich hinsetzen und das Album hören. Keine Ablenkung, nur man selbst mit „Tilt“. Und Josef Harder, der einen fragt, wovor man Angst hat. Dieses Feature ist, laut Maeckes, übrigens ein egoistisches Feature. Das kam zustande, weil er jemanden gebraucht hat, der ihn eben fragt, wovor er doch Angst hat.

Mit dieser Frage lasse ich euch jetzt alleine und gebe euch einen Auftrag fürs Wochenende: Hört euch „Tilt“ an!

Tracklist in Sätzen:
1. Der Misserfolg gibt ihm unrecht.
2. Er ist nicht Maeckes.
3. Wir sollten jiggy damit getten, dass der Mensch das Schlechteste der Welt ist. (Aber auch das Beste.)
4. Er versucht Flugzeuge in den Bauch eines Mädchens zu fliegen.
5. Sein Papa war kein rollender Stein. (Er war Urlaubsfotograf.)
6. Er wartete mal sehr lange an einem Bahnsteig. (Sie kam nie.)
7. Monster haben mittlerweile Angst vor uns. (Wir wohnen bei Monstern im Schrank.)
8. Er ist ein rollender Stein.
9. Von der einzig wahren Liebe.
10. Der Versuch mit Zynismus und Wut als Mittel, mit der Welt umzugehen.
11. Josef Hader fragt ihn, warum er Angst hat, vor dem was er kann.
12. Er will jemand sein. (Kein Niemand.) (Kein irgendjemand.) (Ein Irgendniemand.)
13. Scheitern als Chance. (Wenn alle Gewinner sind, sind auch alle Verlierer.)
14. Abspannmusik.(Eine amerikanische Erfolgsstory.)

www.maeckes-musik.de
www.facebook.com/maeckes237

/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Nico Wöhrle /