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Festivalbericht: ENDZEIT

Die 28. Ausgabe des Endzeit-Festivals stand an, um in gewohnter Manier regionale Newcomer zu präsentieren. How Deep is your Love war vor Ort und hat für euch die musikalischen Neuentdeckungen zusammengefasst.

Entweder scheint es etwas aus der Mode gekommen zu sein, neue Bands zu entdecken, oder es haben alle konzertbegeisterten Menschen das verlängerte Wochenende genutzt, um die Stadt zu verlassen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum das KunstKulturQuartier nicht aus allen Nähten geplatzt ist.

Insgesamt 18 noch recht unbekannten regionalen Bands aus diversen Musikrichtungen wurde an zwei Tagen eine Bühne geboten. Das Endzeitkomitee ist dabei seinem selbstgegebenem Auftrag, eine Plattform für verschiedenste Newcomer aus dem musikalischen Underground Süddeutschlands mit Fokus auf die lokale Nürnberger Szene zu bieten, vollends gerecht geworden.

An dieser Stelle ein großes Lob an alle Ehrenamtlichen, die das Endzeit Festival organisiert haben, denn was man da auf der Bühne sehen konnte, war durchaus bemerkenswert.

Daneben gab es leckere Verpflegung in Form von veganen Steak-Semmeln mit verschiedenen Saucen und Toppings, eine Dauerschleife von Endzeit-Splattern im KommKino, sowie eine raumgreifende Video-Sound-Installation des Protestprojekts DRONES AGAINST FRONTEX im Weißen Saal.

Doch lest einfach und gebt euch anschließend die ein oder andere Band selbst auf die Ohren. Es lohnt sich, versprochen!

TAG1

A Winters heir: Eine junge Dame erzeugt zumeist melancholische Klangwolken aus Loops mit E-Gitarre, Gesang und iPad. Das halbstündige Set wurde mit fünf Songs gestaltet, die Stück für Stück live aufgebaut wurden. Gespannt wurde im Zentralcafé gelauscht, im Stehen und im Sitzen.

awintersheir

Stagewechsel.
Treppe rauf.

Irvina Gass: Die einzige Band, die ich bereits vorher kannte und nun bereits zum dritten Mal live gesehen hab. Elektronisch rockig. Ein ansteckender Sound, der in die Beine geht – kein Wunder also, dass man bereits zu früher Stunde die ersten Leute im Festsaal tanzen sah. Die nächste Gelegenheit, sie live zu sehen, gibt’s am 23. Oktober im Klüpfel und für Ende des Jahres ist die erste EP geplant.

irvinagass

Treppe runter.

Spatz mit Knarre: Screamo-Deutsch-Punk, der Sänger ist nach eigener Aussage traditionell nach jedem Konzert heiser und manchmal sitzt er anscheinend auch vor der Bühne auf dem Boden um die Titel zu performen. Die Bandbreite der Songs reicht von „nuklearem Winter“ über „Containern gehen“ bis hin zu vertonten Gedichten von Kurt Tucholsky.

spatzmitknarre

Treppe rauf.

One Ironaut: Netter Postrock ohne Vocals. Mir persönlich fehlt da zum Teil der Gesang, aber davon abgesehen sind es gut abgestimmte Songs.

oneironaut

Treppe runter.

Opiliones: kräftig, krachig, dennoch melodisch treibender Indie-Post-Punk-Rock. Die erste Zugabe des Abends gab es auch. Gefällt mir.

opiliones

Treppe rauf.

Containerhead: Wie auch bei One Ironaut keine Vocals, hier fehlen sie mir aber nicht. Der Gesang wird scheinbar durch Gitarren ersetzt. Insgesamt gitarrenlastige Songs teils mit Vibraphon-Elementen, die sich wunderbar einpassen. Das Zuhören ist eine wahre Freude. Großartig.

containerhead

Ein letztes Mal für heute:
Treppe runter.

Beisspony: Neben Piano und Schlagzeug haben die beiden Frauen allerlei Instrumente ungewöhnlicher Natur auf der Bühne. So kommen schon mal eine Nähmaschine oder eine Schreibmaschine zum Einsatz. Auch ein Regenschirmgestell war dabei und ein grunzendes (Plüsch-)Schwein. Was nach Comedy klingt vereint sich auf der Bühne zu ernstzunehmenden, gefühlvollen Songs. Egal, ob ein Ausflug mit den Klanghölzern ins Publikum oder das Herstellen eines Herzschrittmachers („zum Kuscheln“) während eines Songs, es ist tolle Kunstperformance auf der Bühne. Auch hier mit Zugabe. Macht Spaß und das ganz im Ernst!

beisspony

Hildegard von Binge Drinking: Schlagzeug und Synthesizer, verzerrter Gesang oder doch eher Rap, zwei Männer in Nonnenkostümen (von einer „Beisspony“ genäht), das sind Hildegard von Binge Drinking. Ekstatisch elektronische Songs lösen einen kollektiven Bewegungsdrang aus. Druckvoll und schnell ging’s zur Sache, egal ob mit der Nonne nah an der Decke, am Boden oder final getragen von Fans. Ein Spektakel, Daumen hoch.

hildegardvonbingedrinking

Magic meru: Mit deep, dark & slow Sound („Witch-House“) wurde der Festivaltag beendet. Ich lauschte nur den ersten Klängen, dann war bei mir Schluss. Um zwei Uhr nachts und nach acht Bands war die Luft einfach raus.

TAG2

Mit neuer Energie ging es wieder zum Endzeit-Festival. Der erste Tag war sehr vielversprechend, ich bin gespannt auf das, was mich erwartet. Und los geht’s:

Mark Timmins: Akustik-Gitarre und Gesang des seit zwei Jahren in Nürnberg lebenden Australiers verbinden sich zu zumeist ruhigem und einfühlsamem Folk. Entspannt wurde gelauscht. Kann man sich auch prima als Wohnzimmerkonzert vorstellen.

marktimmins

Und wieder heißt es Stagewechsel.

Treppe rauf.

A blurred view: Melodisch, harmonischer Postrock, der Festsaal mäßig gefüllt, doch der Takt reicht zumindest teilweise für mitwippende Füße, auch bei mir. Durchaus hörenswert.

ablurredview

Treppe runter.

H.K.Z.: selbstbezeichneter „Stechuhrenpunk“ mit Playback eingespielten Gitarren und Schlagzeug, live auf der Bühne: Gesang und Bass. Jedes für sich wäre vielleicht okay, aber die Zusammensetzung wirkte für mich nicht stimmig. Der verhaltene Applaus scheint das zu bestätigen. Vielleicht ist das auch alles die Absicht von H.ate K.ill Z.erstreu.

hkz

Treppe rauf.

Elephant Hawk Moth: detailverliebter Alternative-Rock, der mich persönlich bei dieser Gelegenheit nicht abholt. Aber eventuell gefällt es ja dem ein oder anderen von euch.

elephanthawkmoth

Treppe runter.

LBKK: ein hypnotisierendes Sound-Gemisch aus Schlagzeug und Bass ohne Vocals. Der Bass vom Publikum abgewandt, in sich gekehrt und voll fokussiert auf die Musik spielen die beiden Herren ein 20-minütiges Set am Stück, das bemerkenswert vielseitig klang.

lbkk

Treppe rauf.

Dress: Mitreißender Indiepop Shoegaze, der ins Ohr geht und zum Tanzen und Träumen einlädt. Das Publikum ist eher zurückhaltend, da der Festsaal nur mäßig gefüllt ist. Dabei ist die Band richtig gut, aber vielleicht ist ihre Zielgruppe heute nicht zu Gast. Schade eigentlich. Die gleichnamige EP „Dress“ wird am 12. Oktober veröffentlicht.

dress

Treppe runter.

Floid: von langsam über düster bis schnell und druckvoll. Synthie-Sound, der besser in einem Club aufgehoben ist als auf einer Konzertbühne.

floid

Treppe rauf.

Godzilla Was A Friend Of Mine: Spielen eine treibende Postrock/Postpunk-Mischung, die sich hören lassen kann und mehr Zuschauer verdient hat als einen lückenhaft besetzten Festsaal. Das hielt sie aber nicht davon ab, ihre Titel mit viel Energie zu präsentieren.

godzillawasafriendofmine

Und ein letztes Mal fürs diesjährige Endzeitfestival:
Treppe runter.

Ein kurzer Stop im Zentralcafé bevor es zurück in die eigenen vier Wände geht.

Talk Shop: Ein Soundkosmos aus Acid und Techno bildeten den Abschluss der zwei Festivaltage und luden ein, die letzte Energie im Zentralcafé aus dem Körper zu tanzen. Wie auch gestern hörte ich kurz rein und verschwand.

/ Text & Bilder: André Prager / Addicted to Concerts NBG