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Konzertbericht: Bilderbuch

Ein Konzert – zwei Blickwinkel. Dass wir uns Bilderbuch nicht durch die Lappen gehen lassen, ist klar und wie wir das Ende empfunden haben, haben wir für euch festgehalten. In Bild und Wort.

LEO:
Wie war Bilderbuch am 18.03. im E-Werk Erlangen

Bilderbuch, so wie Falco …
nur ohne Kokain!

Den Anfang macht die Vorband ADI – (die) alten deutschen Interpreten-, wobei irgendwas an dieser Angabe unstimmig ist, denn es gab keine Band, sondern nur eine schwarz transparent eingehüllte Blondine. Diese Dame verursachte durch ihre engelhafte Stimme einen berlin-mainstreamigen Popgesang, der relativ passabel war. Abseits der Plastikstimme zündete sie ein elektronisches Partyfeuerwerk der noblen Art, welches durchaus imposant klang. Die Zuhörer waren in einer ambivalenten Stimmung gefangen, bis der Startschuss für Bilderbuch ertönte.

Schon nach ein paar Liedern startete Herr Ernst mit der Anekdote, dass sie den Erlangener-Frühstückskonsumenten bei Kaufland den Eingang mit ihrem Tourbus versperrt hatten. Aufgrund dieses Vorfalls bat der Sänger mehrmals um Entschuldigung und tat dies in Form von mehreren energisch gespielten Liedern.

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Kurz bevor der Song Softdrink gespielt wurde, stellte die Band dem Publikum ein paar Fragen bzw. versuchte enthusiastische Jubelrufe zu kassieren. „Hey lasst uns alle was süßes trinken; richtig geil mit Zucker; lasst uns alle fett werden; ja genau wie die Amerikaner“. Doch das Publikum regierte von Phrase zur Phrase kritischer und stellte einen vehementen Gegenpol dar. Vermutlich sind die Sportpalast-Zeiten also an gewissen Orten vorbei. Nach circa der Hälfte des Konzertes versuchte Maurice Ernst wieder ähnliche Sozialexperimente, indem er schrie „Hey, lasst uns unseren Reichtum feiern, ein ‚Jeah’ auf unseren Reichtum“. Auch bei diesen Sprüchen wollte keiner so richtig mitjubeln, schade … Sonst hätte man vielleicht noch ein schick schockes „Prost auf Afrika rauslassen können“!

Und der musikalische Auftritt? Astrein und Chapeau an den Gittaristen Michael Krammer, eine wirklich hervorragende Leistung ablieferte. Ein Konzert von Bilderbuch ist sicherlich empfehlenswert! Nicht nur wegen der Musik!

PS: Apropos Softdrink, nobody likes Mirinda!

MATILDA:

Bilderbuch sollte man auf gar keinen Fall nur auf ihren Titel „Maschin“ reduzieren! Dass Bilderbuch mehr gute Songs in petto haben, zeigten sie bei ihrem Konzert in Erlangen.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2013 auf dem PULS Festival war und Bilderbuch gerade von jedem gehypt wurden. Das löste bei mir erst mal das Gegenteil aus und ich schaute nur sehr kurz zu ihrem Auftritt. Zwei Jahre später könnte ich mir dafür in den Hintern beißen und am liebsten würde ich der „Vergangenheits-Matilda“ eine Backpfeife verpassen und sie zwingen, länger bei dem Konzert zu bleiben. Gut, dass sich die Ansicht bei mir verändert hat und ich auch auf dem Bilderbuch-Zug mitaufgesprungen bin.

Wer sich ein wenig mit Bilderbuch beschäftigt, der weiß, dass sie bewusst und gerne mit ihrem Auftreten spielen und großen Wert auf ihre Musikvideos legen. Stellt sich die Frage, wie man das nur auf Tour umsetzen kann? Mit Licht. Ich liebe es ja, wenn auf einem Konzert Licht und Musik perfekt aufeinander abgestimmt sind und Bilderbuch sind ja fast Meister darin. Fällt mir schwer das in Worte zu fassen, gut, dass wir ja Bilder gemacht haben. Für „Maschin“ wurden extra die gelben Handschuhe rausgeholt und Maurice zieht sie sich im gelben Spotlight dazu an.

Ich habe auch bei diesem Konzert wieder mein Prinzip verfolgt, mir nicht groß die Musik davor anzuhören und mich vollkommen überraschen zu lassen und es funktioniert jedes Mal sehr gut. Die vier kommen auf die Bühne, begrüßen uns im Dschungel und schwupps hat Maurice den Text vergessen. Blöd. Dann muss man noch mal von vorne anfangen. Beim zweiten Mal sitzt der Text wieder und so wie die Jungs reagiert haben, macht es sie nur noch sympathischer. Überhaupt merkt man ihnen an, dass sie nicht erst seit ein paar Jahren auf der Bühne stehen, nee schon seit zehn Jahren gibt es die Band! Wusste ich nicht, wieder was gelernt, danke dafür! Sie spielen richtig mit dem Publikum ohne, dass es gekünstelt rüberkommt. Es ist ihre Art die mir so gefällt und natürlich ihre Musik. Auch, wenn sich manche Lieder für mich sehr ähnelten, ging der Gedanke mit der Zeit wieder unter. Bilderbuch haben ihren ganz eigenen musikalischen Stil. Man kann sie schwer zuordnen. Woran man sie jedoch sehr gut erkennt, ist das Schrille in ihrer Musik und die hohen Töne von Maurice.

Bilderbuch sind in jeder Hinsicht pfiffig und ziehen ihr Ding durch, sei es mit ihrem Auftreten, ihrer Musik und ihren Texten oder dem Interaktion mit dem Publikum.

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Was an dieser Stelle noch gesagt werden muss, ist die grandiose Sängerin ADI, die den Abend eröffnete. Tolle Stimme und tolles Mädel, das mich neidisch werden lässt, wegen den typischen Mädelssachen, wie ein cooles Oberteil und einer schönen Frisur. Trotzdem stand ihre Musik im Vordergrund, die mich sehr überzeugt hat und ich hätte sie mir auch länger anhören können. Schon das Licht war bei ihr echt genial und gut, dass ich es als „Bewegt Bild“ festgehalten habe. Ihre Musik erinnerte mich stark an Elliphant und MO. Hätte auch getippt, dass sie aus Skandinavien kommt, aber ADI kommt aus Israel. Tolle Entdeckung, die ich noch verfolgen werde …

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/Text: Leo Zimmermann & Matilda Pfeil / Bilder: Leo Zimmermann/