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KONZERTBERICHT: FLORENCE & THE MACHINE

Es gibt nur wenige Künstler, die einzig mit ihrer Ausstrahlung, ohne große Bühneneffekte eine ganze Halle verzaubern können. Genau das durfte das Publikum in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin erleben. Florence Welch und The Machine machten auf ihrer „High As Hope“-Tour einen Stopp in der Bundeshauptstadt.

Zehn Jahre sind nach dem Erscheinen des Debütalbums „Lungs“ vergangen. In dieser Zeit veröffentlichten die Sängerin und ihre Begleitband insgesamt fünf Alben, die etliche Male mit Preisen ausgezeichnet wurden. Mit einer verträumt, kraftvollen Mischung aus Indie, Folk und Rock begeistern die britischen Künstler ihre bestehenden Fans und erfreuen sich an einer schnell wachsenden Zahl von Anhängern. Ende 2018 erschien dann das aktuelle Studioalbum „High As Hope“. Gerade füllt die Band auf ihrer Tour etliche große Stadien.

In Berlin warten tausende Zuschauer gespannt, den Blick auf die hölzerne Bühne gerichtet. In goldenem Licht betritt die mehrköpfige Band die Halle. Geigen, eine Harfe, ein Schlagzeug, Percussions, ein Bass, Gitarren und ein Piano versprechen ein musikalisches Erlebnis.
Dann erscheint Florence in einem bodenlangen, zarten Kleid aus dem Hintergrund. Kein Trommelwirbel, kein Spannungsaufbau. Doch den hat die Sängerin auch keinesfalls nötig. Kaum stimmt sie „June“ an, hat sie jeden Zuschauer in ihren Bann gezogen.

Feenhaft tanzt, springt und dreht sich die Sängerin barfuß über die Bühne, während sie Lieder, wie „Hunger“, „Between Two Lungs“ oder „Only If For A Night“ präsentiert. Ihre Ausdauer wirkt grenzenlos, kein Anzeichen von Erschöpfung. Ihre klare, kraftvolle Stimme nimmt die ganze Veranstaltungshalle ein. Lange Töne sorgen für Gänsehautmomente.

Auch in dieser großen Location gelingt es der Sängerin eine intime Atmosphäre zu schaffen. 
Bei kurzen Ansprachen zwischen den Liedern verkündet sie mit ihrer verträumten, ruhigen Sprechstimme, dass die Energie an diesem Abend sehr gut und feminin sei. Sie ermutigt das Publikum sich an den Händen zu halten und seinem Nachbarn zu sagen, dass man ihn liebt. Abschließend bittet sie um Aufmerksamkeit, jeder solle das Handy wegstecken und stattdessen den Moment genießen. Ihre Aufforderung zeigt sofort Wirkung. Im dunklen Meer aus Köpfen ist kein heller Bildschirm mehr zu sehen, stattdessen springen und tanzen die Zuschauer zu „Dog Days Are Over“.

Nähe zum Publikum scheint der 32-Jährigen Leadsängerin aus Süd London auch mit steigendem Erfolg noch sehr wichtig zu sein. Mit nackten Füßen stürzt sie sich in die Menge und durchquert die Arena, tanzt mit Fans und singt „What Kind Of Man“. Zum Klang der E-Gitarren wirft sie kraftvoll ihr langes, rotes Haar, während sie sich an den Händen der Zuschauer festklammert.

Nach dem Konzert betreten Florence & The Machine unter tobendem Applaus für eine Zugabe nochmals die Bühne. Nach „Big God“, fordert sie das Publikum zum Mitsingen auf und beendet den Abend unter Konfetti Regen mit einer traumhaften Performance ihres Hits „Shake It Out“.

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/ Text und Bild : Simo Hanzlik /