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Konzertbericht: Sólstafir

Das Wetter lieferte am Freitagabend die passende Einstimmung: graudüstere Wolken gepaart mit fiesem Nieselregen. Passend, weil im Z-Bau mit Solstafir eines der musikalischen Aushängeschilder Islands zu Gast gewesen ist.

Gut 25 Jahre sind die Herren aus Reykjavik schon unterwegs und beim Umherschweifen über das Publikum im Saal des Z-Baus sieht man, dass die Wurzeln der Band klar im Metal liegen. Doch Solstafir haben sich im Laufe der Zeit mächtig weiterentwickelt, so dass selbst ich, der garantiert kein Metalhead ist, mich mit dem vielschichtigen Sound der Band anfreunden konnte.
Metalroots treffen auf Post-, Prog und Alternativ-Rock -Elemente, so könnte man diesen Sound gut umschreiben.

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Mit der „The Midnight Sun: A Light in the Storm“ – Tour 2019 sollte nun kein neues Album gefeatured werden, sondern ein ausgewähltes Set ihres bisherigen Schaffens dargeboten
werden.
So erschienen die Nordmänner um Punkt 20 Uhr auf der Bühne zusammen mit einem Streicher-Quartett und einer Begleitung an den Tasten. Mit „Nattmal“ begann das Eintauchen in die nordischen Klangwelten. Das Auf und Ab von ruhigen von Streichern begleiteten Parts und wuchtigen Gitarren-Riffs entfalten einen Zauber, dem sich keiner entziehen kann.

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Die Magie verbreitet sich schnell im gut gefüllten Saal. Gebannt verfolgt die Menge der sphärisch-kraftvollen Klänge. Das hier ist nichts für Freunde des Drei-Minuten-Dreißig – Radiohits, hier ist eher Ausdauer gefragt. Gleich das zweite Stück „Otta“ aus dem gleichnamigen Album von 2014 ist hierfür das perfekte Beispiel. Die Gitarre wird gegen das Banjo getauscht und ab geht’s. Anfangs ruhig, dann wellenartig immer druckvoller werdend, 10 Minuten können spannender kaum sein. Streicher und Band harmonieren wunderbar miteinander. Bei „Hvit Saeng“ überzeugt auch der Schlagzeuger mit seinem Können. Ergreifend wird es dann bei „Necrologue“. Hintergrund für das Stück ist laut Sänger Tryggvason der Selbstmord eines Freundes und die damit verbundene Stimmung aus Kummer und Verzweiflung.

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Hochgehoben wird die dann wieder durch den kleinen Höhepunkt „Fjara“ (vom großartigen Album „Svartir Sandar“!): Man nimmt mit der Musik die ganze Atmosphäre auf und schon steht man am schwarzen Strand an der Südküste Islands. Hinter einem die schroffen moosbewachsenen Berge und Vulkane, vor einem der wellenumtosende Atlantik. Der kühle, frische Wind lässt mächtige dunkelgraue Wolken über einem ins Land ziehen. Man nimmt einen tiefen Atemzug, breitet die Arme aus und schreit alles heraus, was muß… Solstafir zelebrieren den Soundtrack dazu mit voller Hingabe. Nach 2 Stunden wird man zurück in den Nieselregen entlassen.

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Island jetzt hier und sofort in Nürnberg. Macht man die Augen wieder richtig auf, ist es zwar nur die lärmige Frankenstraße, die man erblickt, aber der Sound Solstafirs geht einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf.

Außerdem noch:

Zwischendurch gab es übrigens einen Break von fast einer halben Stunde, auf der Leinwand wurden Szenen aus einem älteren Wikingerfilm gezeigt. Etwas ungewöhnlich, aber ok. Dem Spannungsbogen tat es übrigens keinen Abbruch und am Ende wurde auf das Spiel mit der Zugabenpause verzichtet.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mir der Z-Bau Saal als neue Konzert-Location in Nürnberg immer mehr gefällt!

www.solstafir.net/
www.facebook.com/solstafirice

/ Text: Jörg Meyer / Bilder: Simon Strauß /