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Konzertbericht: Gloria

Gute Nacht, bis morgen.

Warum steige ich mit dem letzten Song in einen Konzertbericht ein?

Weil er ein schöner Song ist? Das ist er zweifellos, aber das ist nicht der Grund.

Weil die Aussage schön ist? Schon eher.

Beinhaltet doch dieser Satz nicht nur den Wunsch an den Gegenüber, eine gute Nacht zu haben, nein, er beinhaltet auch das Versprechen, dass man sich am nächsten Tag wiedersieht, oder zumindest wieder Kontakt zueinander hat. Ich finde, dieser kleine, im Großen und Ganzen eigentlich bedeutungslose Satz, vermittelt je nach Art der Beziehung der Gesprächspartner unglaublich viele unterschiedliche Aussagen. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen, das Versprechen eines Wiedersehens, oder auch die Drohung eines Wiedersehens.

Als bei meinem letzten Gloria-Konzert im Oktober in München das Lied erklang, war es das Versprechen eines baldigen Wiedersehens.

Umso mehr freute ich mich, als beim zweiten Teil ihrer „Geister“-Tour auch ein Termin im Hirsch in Nürnberg angekündigt wurde und somit das Wiedersehen in greifbare Nähe rückte.

Begleitet werden sie bei der aktuellen Tour unter anderem vom Geschwisterpaar „Sarah and Julian“ aus Hamburg. Die beiden machen sehr zarte, etwas melancholische Popsongs mit Klavier und Gitarre und erinnern stellenweise an ein berühmteres Geschwisterpaar, nämlich Angus und Julia Stone. Wer auf ruhigere Töne steht, der sollte unbedingt mal bei den beiden reinhören.

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Dann hatte das halbe Jahr auf Gloria warten endlich ein Ende und die Jungs betraten die Bühne.

Was dann geschah verwunderte mich.

Irgendwie schafften sie es nicht mich mitzureißen. Trotz der tollen Musik, den intelligenten Texten und den lustigen Zwischenansagen.

Bei mir sprang der Funke nicht über.

Da halfen keine Geschichten über eine besoffene und auf der Hotelbar schlafende Jeanette Biedermann. Die Anekdote über den Rammstein-Frontmann Till Lindemann, der bei Klaas gegenüber wohnte und diesen wohl mit einem Fernglas beobachtete. Auch Marks schwarzhumoriges „Auch Till Lindemann muss eines Tages sterben.“ schaffte es nur mir ein mildes Lächeln zu entlocken.

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Woran lag es? Das ist schwer zu sagen. Der Hirsch war nur zu drei Vierteln gefüllt, was den Sound etwas hallen ließ. Außerdem war der Bass etwas zu stark eingestellt, was sich auf die Qualität der Musik auswirkte. Vor allem aber war ich wohl, beim dritten Konzert innerhalb von vier Tagen, musikalisch etwas übersättigt.

Das erklärt aber nicht, warum der Applaus eher verhalten statt tosend war und das Publikum eher schwer zu animieren war.

Vielleicht haben Gloria auch den Reiz des Neuen mittlerweile verloren. Am Anfang waren sie überraschend, weil man Klassenclown Klaas nicht zugetraut hat, so schöne Musik zu machen. Jetzt weiß man was einen erwartet. Im Gegensatz zu meinem ersten Gloria-Konzert ist das Publikum auch älter. Die ganzen kreischenden Klaas-Fangirls sind weg.

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Höchstwahrscheinlich hat eine Kombination aus diesen ganzen Aspekten dazu geführt, dass meine Wiedersehensfreude doch etwas getrübt wurde.

Höre ich jetzt auf Gloria zu hören? Ganz sicher nicht. Ich mag die Jungs weiterhin und werde auch garantiert wieder auf ein Konzert gehen. Auch wenn es nur in der Hoffnung ist, dass es besser als am Mittwoch wird. Auf einer Skala von 1 – 10 würde ich dem Konzert 6 Punkte geben. Durchschnittlich, mit einem Bonuspunkt, weil mein Eindruck durch die Konzertübersättigung vielleicht ein bisschen getrübt ist.

Gute Nacht, bis morgen.

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/ Text: Simon Strauss / Bilder: André Prager /