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Konzertbericht: Nürnberg.Pop 2016

Wer braucht Hamburg, wenn er Nürnberg hat?!

Hamburg hat das Reeperbahnfestival, Nürnberg hat Nürnberg.Pop.
Dieses etwas kleinere, aber mindestens genauso tolle Clubfestival feierte in diesem Jahr bereits das 6-jährige Bestehen und wie ihr an unseren Vorberichten schon sehen konntet, waren wir voller Vorfreude.

Stellvertretend für das ganze HDIYL-Team, gibt’s hier die Nachberichte von Nicole und mir.

Nicole:

Am Samstag befand sich die Nürnberger Altstadt im alljährlichen Ausnahmezustand.
Der Grund:
Das sechste Nürnberg.Pop Festival.
In 19 Locations, die unterschiedlicher kaum sein könnten, vom Nachtclub bis hin zur historischen Kirche, gaben sich unzählige Künstler die Ehre. Das Festival besticht mit einer guten Mischung aus regionalen Bands und Bands, die mittlerweile jedem ein Begriff sein dürften und wer nicht da war, ist selber schuld und muss sich mit diesem Nachbericht begnügen.
Schon früh am Abend ging es los, als FATCAT vorm allseits beliebten Wurst Durst eine nicht grade kleine Menge von Menschen bespielte. Trotz der durchaus kühlen Temperaturen musste keiner frieren, denn die Jungs haben dem Publikum ordentlich eingeheizt und kaum jemand konnte bei dem absolut tanzbaren Gute-Laune-Sound der Band still stehen bleiben. Anschließend konnte noch schnell etwas gegessen werden und dann ging es weiter in den Festsaal des Künstlerhauses. Dort spielte um 20 Uhr nämlich Drangsal, den man auf keinen Fall verpasst haben sollte. Mit einem Sound à la The Cure gibt Drangsal dem Publikum ein Gefühl von New Wave der späten 1970er und 1980er Jahre.

Drangsal

Drangsal

Weiter ging es mit Code Canary im Keller des Klamottenladens Crämer & Co. Nicht auf einer Bühne, sondern auf direkter Augenhöhe mit den Zuschauern sorgten die vier Jungs für eine sehr atmosphärische Show. Sie betiteln die Musik, die sie machen, selbst als Düster-Pop und geben damit eine ziemlich treffende Beschreibung. Die Musik klingt auf eine eindrucksvolle Weise roh und hat einen experimentellen Touch. Außerdem macht es Spaß zuzusehen. Was die Zuschauer weiter hinten leider nicht sehen konnten: Sänger und Gitarrist habe die Musik, die sie machten, gefühlt und sich auch nicht gescheut, das zu zeigen. Definitiv eine Band, bei der man ganz nah dran sein sollte, um den Vibe ihrer Musik richtig aufnehmen zu können.

Als nächstes stand Phoria auf dem Plan. Das Besondere an dem Konzert von Phoria auf dem Nürnberg.Pop: Es fand in der Klarkirche statt. Bei so einer Location müsste die Musik schon sehr schlecht sein, um das Konzert zu verhunzen. In diesem Fall war es wie erwartet so, dass sich Musik und Location wunderbar ergänzten. Die hohen Decken und die halligen Töne von Phoria gingen Hand in Hand miteinander und sorgten für eine entschleunigende und meditativ anmutende Atmosphäre. Das war schön für Zwischendurch, aber danach gings natürlich wieder ordentlich ab.

Im Festsaal stand das Konzert von Von Wegen Lisbeth an. Früh zu kommen lohnte sich, denn es warteten schon etliche Menschen auf den Einlass. Da Von Wegen Lisbeth DER Headliner des Festivals war, war so ein Andrang natürlich zu erwarten. Was soll man sagen. Es ist verständlich, dass die Jungs im letzten Jahr so steil gegangen sind. Den Durchbruch haben sie auf jeden Fall verdient und sie lieferten auch beim Nürnberg.Pop einfach eine super Show mit Musik mit klugen und kreativen Texten ab.

Zu fortgeschrittener Stunde stand der letzte Act des Abends bevor. Die Band KYTES aus München hatte die Ehre, um zwei Uhr das letzte Konzert des Festivals spielen zu dürfen. Wer noch nicht genug hatte, konnte hier zu eingängigem Indie-Pop abtanzen und dann anschließend – schon in die richtige Stimmung versetzt – zu einer der Aftershow-Partys weiterziehen, wo bis in die frühen Morgenstunden in feuchtfröhlicher Runde gefeiert wurde.

Simon:

Kennt ihr noch die Animaniacs? Da gab es immer eine Rubrik namens „Gute Idee, schlechte Idee“. So, oder so ähnlich könnte man auch mein diesjähriges Nürnberg.Pop überschreiben.
Die schlechte Idee war trotz vorhandener Magenprobleme Alkohol zu trinken, ich lag nämlich direkt mal die nächsten zwei Tage flach. Die gute Idee war, sich einfach treiben zu lassen. Ohne großen Plan, sondern nur mit einem kurzen Blick auf den Spielplan von Band zu Band zu entscheiden, wo man jetzt hingeht.
So bot der Abend einen Querschnitt über alles was Spaß macht und einem gefällt. Es gab Bayfolk von Impala Ray, der, von Hackbrett und Tuba begleitet, mit seinem wunderschönen Folk den Brückenschlag zwischen Bayern und Kalifornien herstellt und im Crämer & Co. für strahlende Gesichter sorgte, Drangsal der mit seinem düsteren Wave und Post-Punk Melodien einer der Senkrechtstarter des jahres ist und auch live absolut zu überzeugen weiß.

Brickwater ging mit seinem Singer Songwriter Auftritt leider etwas im Lärm des Kater Murr unter, aber was durchklang gefiel durchaus. Schlakks jonglierte im Zentralcafé mit Worten, als wären es Bälle, und er Artist im Zirkus. Vom Schwierigkeitsgrad hätten es aber auch brennende Kettensägen sein können, er hätte es trotzdem gemeistert. Ähnliche Wortjonglage zeigten auch Gotti und Sven von Tiere streicheln Menschen. Nürnberg ist mittlerweile schon fast Zweitwohnsitz der beiden Berliner, das Publikum ist aber trotz der Flut an Auftritten in den letzten Jahren, weiterhin begeistert und das völlig zu Recht. Die humorvollen Texte Gottis, gepaart mit den manchmal schon dadaistischen Songs von Sven van Thom sind einfach eine grandiose Mischung.

Tiere streicheln Menschen

Tiere streicheln Menschen

Zu Von Wegen Lisbeth und KYTES hat eigentlich Nicole schon alles gesagt, beides sehr gute Livebands mit wirklich tollen Auftritten und einer unglaublichen Energie auf der Bühne. Von Wegen Lisbeth erwecken zwar immer noch diesen sympathischen Charme einer Studenten-WG, die einfach mal beschlossen hat Musik zu machen, sind aber deutlich professioneller unterwegs als noch in den letzten Jahren.

Von wegen Lisbeth

Von wegen Lisbeth

Was bleibt nach diesem Festival? Auf jeden Fall das Fazit, dass ein Besuch beim Nürnberg.Pop immer eine gute Idee ist und jede Menge Vorfreude aufs nächste Jahr.

www.nuernberg-pop.de
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/Text: Simon Strauß und Nicole Freier / Bilder: Simon Strauß /