Konzertbericht: Nürnberg.Pop 2017

Das verflixte siebte Jahr?

Als ich am Samstag mein Bändchen und meinen Pressepass im Produktionsbüro abholte, kam es mir so vor, als würde gerade irgendwie alles schief laufen. Die Stimmung war hektisch und gestresst, aber trotzdem noch voller Vorfreude auf den Abend. Beim siebten Festival ist man wahrscheinlich mittlerweile einfach abgehärtet und routiniert genug um auf alle Eventualitäten eingestellt zu sein. Das merkte man auch im Verlauf des Abends. Je später man die Veranstalter traf, desto entspannter war die Miene.
Schön, dass sie sich auch durch kurzfristige Venue-Ausfälle oder Künstler-Erkrankungen nicht den Spaß am Festival nehmen lassen und bereits hier schon der Dank für dieses tolle Festival.

Kommen wir aber zu meinem Nürnberg.Pop Abend, er begann mit einer kurzen Lagebesprechung auf dem Balkon. Hier wurde bei nem gemütlichen Bierchen kurz der weitere Verlauf des Abends geplant und festgestellt, dass sich das Grüppchen wohl relativ schnell aufteilen und später wieder über den Weg laufen würde.

Der erste Stop war noch gemeinsame Sache, denn jeder wollte sehen, wie Me and Reas in Gebärdensprache aussehen. Denn wie sie klingen, weiß mittlerweile jeder Nürnberger mit einem guten Musikgeschmack. Also los ins HINZ X KUNZ und dort einen Platz mit guter Sicht auf die Bühne gesucht. Der Laden war sehr gut gefüllt, was einerseits an der Beliebtheit der Jungs liegt, aber sicherlich auch daran, dass viele sehen wollten, wie so ein gebärdetes Konzert aussieht. Das Konzert hat uns dann aber doch überrascht, denn niemand rechnete damit, dass es so hypnotisch sein kann, jemandem zuzusehen, der simultan ein Lied in Gebärdensprache übersetzt. Laura Schwengber leistete Schwerstarbeit und hatte sichtlich Spaß auf der Bühne.

Leider konnte ich nicht das ganze Konzert bleiben, denn bei meinem engmaschigen Zeitplan waren eigentlich Wege zwischen den Spielorten irgendwie nicht eingeplant. Beamen müsste man können…

Also schnellen Schrittes ab zur Kulturkellerei wo bereits Hadern im Sternenhagel warteten. Die Band kenne ich nun schon ein paar Jahre und doch hatte ich es erst einmal geschafft sie live zu sehen. Umso schöner also, dass sie mir beim Nürnberg.Pop die Chance boten ihren Indiepop zu genießen. Sie boten eine gute Mischung aus neueren und älteren Songs und brachten mich weiter in Festivalstimmung.

Diese erreichte dann bei White Wine ihren absoluten Höhepunkt. Was diese 3 Jungs auf die kleine Bühne des Zentralcafés brachten, hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Es war düster, es war wild, es war nicht von dieser Welt. Und es war ein fucking Fagott auf der Bühne!! Joe Häges manischer Gesang, gepaart mit dem tiefen Bass des Fagotts schuf bereits eine unbewusste Angst, ein gewisses Unwohlsein, wie ein guter Horrorfilm. Man wollte aber nicht gehen, denn man könnte ja etwas verpassen und die Musik war auch noch verdammt gut. Es war ein Konzert wie ein Trip auf irgendeiner noch nicht 100% erforschten experimentellen Droge. Wild, düster, abgefahren, unglaublich geil!

Zum Runterkommen erst mal in die Klarakirche. Dort spielte Aldous Harding, die ich beim Raussuchen meiner Tipps schon sehr faszinierend fand. Doch ich blieb nur kurz, denn es zog mich dann doch etwas zu sehr runter. Ich wollte die Aufgekratztheit vom White Wine Konzert zumindest teilweise noch mitnehmen. Also ein kurzer Blick auf den Spielplan, Folk’s worst Nightmare im neuen Museum, klingt gut. Dort angekommen wurde ich auch nicht enttäuscht. Schöner Akustik-Folk mit einer angenehmen Punkrock-Attitüde. Perfekt. Genau sowas brauchte ich jetzt.

Nächster auf der Liste war der Indianer von Köpenick. Romano machte sich dazu auf den Festsaal zu rocken und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Copyshop, Mutti, Metalkutte, es ging direkt gut los und das Publikum lies sich auch nicht lumpen und bouncte fleißig mit.
Aber auch hier konnte ich nicht lange bleiben, stand doch mein persönliches Highlight an. Spaceman Spiff in Begleitung der Cellistin Clara Jochum. Die Atmosphäre der Klarakirche war perfekt für dieses Konzert. Wunderschöne Songs mit nachdenklichen Texten, begleitet nur auf Gitarre und Cello. Man machte die Augen zu und genoss einfach nur. Worte können eigentlich schlecht beschreiben, wie wunderschön dieses Konzert war. Deshalb belasse ich es auch einfach nur bei diesem einen Wort: traumhaft.

Zum Abschluss des Abends hatte ich geplant mir noch die volle Portion Indierock der beiden Mädels von Gurr zu geben. Da mich aber die Schlange zum Festsaal bereits am Beginn der Treppe empfing, beschloss ich doch lieber direkt zur Aftershow überzugehen und den Abend im Club Stereo ausklingen zu lassen. Nachdem ich Fotos vom Konzert gesehen habe, bereue ich diese Entscheidung ein Bisschen. Das ist aber auch wirklich das einzige, was ich an diesem Abend bereue.
Das verflixte siebte Jahr? Ganz sicher nicht!
Das Nürnberg.Pop hat wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass es seinen Platz in der deutschen Festivallandschaft mehr als verdient und dass die ersten sieben Jahre erst der Anfang sind. Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr!

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/Text und Bilder: Simon Strauß /