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Nachbericht: Gregory Porter

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz wie ich diesen Konzertbericht anfangen soll. Ein einfaches und ernstgemeintes „Wow“ könnte reichen, würde aber nicht erklären, wie ich zu dieser Reaktion komme.

Es beginnt gleich mit Avery Sunshine. Sie eröffnete in Begleitung ihres Mannes an der Gitarre den Abend und sie ist, im wahrsten Sinn ihres Namens, ein Sonnenschein. Mit breiten Grinsen betrat sie die Bühne, feuerte gleich die Mitsingnummer am Anfang raus und alle machten mit. Von wegen die Franken sind verhalten. Brausender Applaus und „Wuhuus“ am Anfang. Erstes Wow!

Mit einer Leichtigkeit singt sie mal eben einen Aretha Franklin Klassiker und das klang gut! Bei so einer Vorlage ist es schon schwer an das Original ranzukommen bzw. sein eigenes Ding zu machen, doch das hat Avery wirklich gut gemeistert! Die Kinnlade öffnete sich schon ein Stückchen.

Das geniale an bestuhlten Konzertsälen ist ja, dass man einfach sitzen bleiben und man bequem auf den Künstler des Abends – Gregory Porter – warten kann. Find ich herrlich. Mein Stuhl war so bequem, dass ich meine Müdigkeit spürte und ich mir herbeisehnte, dass es wieder weitergeht. Die Wartezeit darf nicht zu lange dauern, sonst wird’s gefährlich.

Doch als Gregory die Bühne betrat, langsam zu seinem Mikro lief, ein Grinsen im Gesicht, raffte ich mich auf, die Müdigkeit verschwunden und die Kinnlade bereit, sich weiter zu öffnen. Gregory geht näher ans Mikro ran, singt den ersten Ton und ich bin sprachlos, geplättet und beeindruckt. Die Stimme klingt ja auf CD schon überragend, doch live klingt sie einfach mal genauso, wenn nicht besser. Kein Unterschied. Mich hätte mal einer kneifen müssen bzw. ich habe heimlich darauf gewartet, dass irgendwas mit dem Playback nicht funktioniert. Kein Playback, alles live. Der ist wirklich so gut wie auf Platte. Da hört man keinen Unterschied heraus und er kann singen! Zweites Wow!

Was ihn mir sehr sympathisch hat werden lassen war, als er meinte, er wüsste, dass gestern ein wichtiges Fußballspiel wäre und wir gerne auf unserem Handy nach dem aktuellen Spielstand schauen könnten. Er hat sich gefreut, dass trotzdem so viele zu ihm gekommen und nicht zuhause geblieben sind, jubelnd vorm Fernseher.

Jazz ist schon ein tolles Genre, höre ich gerne phasenweise, bis ich wieder genug davon habe. Ich muss gestehen, ich war nicht von jedem Lied hellauf begeistert, aber das war auch eigentlich egal. Denn zu sehen, wie Gregory und seine Musiker auf der Bühne standen, gemeinsam gespielt und diesen Moment genossen haben, war super schön mitanzusehen. Fast in jedem Lied hatte jeder Mal sein großes Solo und Gregory hat sich in dieser Zeit auch zurückgenommen und stand nicht im Mittelpunkt. Das ist schon bemerkenswert. Eigentlich kommen alle wegen ihm, doch am Ende ist man Fan von der ganzen Band.

Mein Lieblingslied „The In Crowd“ wurde nicht gespielt, dafür „Liquid Spirit“ auch gut. Ein Grund mehr, noch mal zu einem Gregory Porter Konzert zu gehen. Einmal will ich das auch noch live sehen…

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/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Shawn Peters /