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Nachbericht: Pop-Kultur Berlin 2019

Pop-Kultur, d.h. Rotation und Bewegung

,,Russische Lieder sind meist melancholisch’’ berichtete Rusia, die Sängerin der Band Shuma. Kurz bevor sie auf die Setlist blickte, atmete sie auf. Die Melancholie blieb durch mangelnde Russischkenntnisse weitgehend verschlossen, dafür war das Klangbild viel zu energetisch, mystisch und elektrisch vertaktet. Mit geschlossenen Augen hatte man vielmehr das Gefühl in basslastig wummernden Industriehallen zu stehen.

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Kurz danach geriet man beim Treppe runtergehen in den Mykki Blanco Tornado. Blanco tanzte hier, Blanco tanzte da. Es gab kaum einen Moment, in dem er körperlich ruhte. Selbst wenn M.B. zwischen den Songs vor der Vereinahmung von LGBTQ Forderungen durch Konzerne warnte, lief er hektisch umher. Während schwedische Modehersteller ihr Logo in einen Werbe-Regenbogentopf jagen, beuten zeitgleich unter anderem auch weiterhin weiße Menschen weiße Menschen aus. Wer hat ein reales Interesse Minderheiten zu stärken? Welche Werbebanner sehen wir bei der Loveparade? Wie lautet die neue Marketing-Strategie? Inwieweit wird die Bezahlung der Näherinnen in Bangladesch noch mitthematisiert, wenn das Label mit scheinbarer Gleichstellungssverpackung glänzt. Gleichstellung gibt es dann vielleicht im Land der Konsumenten. Nicht im Land der Produktion.

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Die Band Masha Qrella vertonte Texte von Thomas Brasch. Statt dem reinen eigenen Textarsenal gab es nun Braschlyrics, die man auf der Bühne mitlesen konnte, links wurden die Worte mit fliegenden Händen noch in Gebärdensprache formuliert. Zeitweise wurden auch andere Fragmente, Bilder und weitere fremde, bzw. eigene Texte in die sogenannte Commissioned Work eingebaut.

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Es fand sich keine Zeit, um in der aufgebauten Çaystube Tee zu trinken und die Talkveranstaltungen wurden von den Konzerten überschattet. Auch wenn die Plakatgestaltung der Jahre zuvor provokativer war. Okzharp & Manthe Ribane bildeten ein pulsierendes Sonnensystem, besser als jedes Supernovaplakat. Wie stehen die Konstellationen nächstes Jahr?

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/ Text: Leo Zimmermann  Bild: Rojin Namer/