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Nachbericht: Sarah Kuttner liest „180° Meer“

Wer Sarah Kuttner in den sozialen Medien folgt, der kann sich ungefähr vorstellen, wie unterhaltsam so ein Abend mit ihr sein kann. Auf Twitter hat sie die letzte Staffel „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ live kommentiert und teilt auch gerne mal Fotos ihrer mannigfaltigen Verletzungen, welche sie sich bei Haus- und Gartenarbeit zuzieht. Ich folge ihr hier sehr gerne und lache gerne über blutige Daumen, bevor ich mir bei meinem nächsten Versuch handwerklich tätig zu sein einen ebensolchen selbst zufüge. Dann lache ich nicht mehr.

Aber Sarah Kuttner ist eben nicht nur die lustige Tante von Twitter, sondern auch eine wirklich gute Autorin. Ihr erster Roman „Mängelexemplar“ stand wochenlang in den Bestsellerlisten und wurde sogar recht erfolgreich verfilmt. Ihr mittlerweile dritter Roman heißt „180° Meer“ und handelt von Jule, einer Sängerin, die einfach so vor sich hin lebt, ohne sich und ihren Alltag so wirklich zu mögen. Den Kontakt zu ihrer Mutter erträgt sie nur widerwillig, was auch einer nicht gerade einfachen Kindheit geschuldet ist. Ihre Beziehung bröckelt dahin und als letzten Ausweg sieht sie nur die Flucht zu ihrem Bruder nach London. Dort trifft sie auf ihren krebskranken Vater, was die ganze Situation nicht wirklich vereinfacht.

„180° Meer“ ist eine tragikomische Road-Novel über das Leben und die Phasen, die viele Menschen kennen. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Dasein, die Antriebslosigkeit irgendetwas verändern zu wollen und schließlich die Flucht, um mit allem – und vor allem sich selbst – irgendwie mal klarzukommen.

Trotz angeschlagener Stimme nimmt sich Sarah die Zeit, um nicht nur aus ihrem Buch vorzulesen, sondern auch im Nachgang dem Publikum noch Rede und Antwort zu stehen.
In der Fragerunde erfährt man, dass in ihren Hauptfiguren zwar immer auch ein kleiner Teil von ihr steckt, aber nie so viel, dass es autobiographisch ist oder man sie darin erkennen könne.
Sie erzählt von ihren Ordnungszwängen, ihrem Hund, ihrem Hass auf Wandtattoos und auch, dass Marc Terenzi den Titel des Dschungelkönigs zu Recht trägt. Man erfährt auch, dass sie sich nie einen Vorschuss für Bücher geben lässt, weil ihr dann der Antrieb fehlt, das Buch fertigzustellen. Sie antwortet ehrlich und auf ihre sehr sympathische Art, welche ich so mag. Die Antworten sind meistens mit kleinen Geschichten verknüpft und nie im Stil von schlichten „Ja, das is halt so“-Antworten gehalten.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann doch noch. Auf die Frage nach weiteren Folgen von „Kuttner plus zwei“ gab es leider die Antwort, dass das Format abgesetzt wurde.

Aber bis auf das war es wirklich ein sehr schöner Abend, mit einem tollen Buch und einer sehr sympathischen Autorin.

www.sarahkuttner.de
www.facebook.com/SarahKuttner

/ Text: Simon Strauß / Bild: 2eight /