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Nachbericht: Thees Uhlmann

Wenn du schreiben kannst, dann schreibe, wenn du singen kannst, dann sing!

Er hat es schwer in unserer schnelllebigen Welt, der Rock’n’Roll. Oberflächlichkeit und Plastik bestimmen den Zeitgeist, da fällt es einem nicht leicht, sich zu behaupten. Wie gut, dass man da einen alten Kumpel hat, der einem gerne zur Seite springt und einen gerne mal mächtig abfeiert. So war es dann auch am vergangenen Dienstag in Erlangen. 

Ortszeit: 19:45 Uhr, wir betreten die Heinrich-Lades-Halle , die nun erstmal so gar keinen Rock’n’Roll – Charme versprüht. Während ich noch an einen Zahnärztekongress oder Klassik in Nadelstreifen denke, gefällt mir die Halle doch etwas mehr als die dröge Stadthalle in Fürth. Trotz der Größe ist alles recht überschaubar hier. Das könnte auch daran liegen, dass das Konzert nicht ausverkauft ist und der Saal selbst im vorderen Bereich nur locker gefüllt ist. Der deutsche Bruce Springsteen (okay, dieser Vergleich wirkt langsam etwas abgegriffen, aber ich finde ihn trotzdem immer noch gut und richtig) hat nach einer sechsjährigen Pause mit „Junkies und Scientologen“ ein klasse Album abgeliefert, so dass man der Meinung  war man könnte die Messlatte in Sachen Location vom E-Werk aus eins höher legen. 

Um Punkt 20 Uhr kündigt der Chef dann auch persönlich seinen Support-Act an: Grillmaster Flash. Der bringt dann auch gleich seine Art von Rock’n’Roll unter die Leute: nur mit Gitarre und Jeansjacken-Weste. Irgend so ein Freak aus Bremen-Nord, möchte man meinen, aber einer mit dem man gerne mit Cola-Korn durch die Vorstadt ziehen mag. So wie „Sottrum“, der kleinen niedersächsischen Gemeinde, der „Grilli“ ein wunderbares musikalische Denkmal gesetzt hat. Der Spaß mit ihm dauert zwar nur gute 15 Minuten, bereitet aber ideal das Feld für Thees Uhlmann.

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Der „Sweet and Tender Uhligan“ ist dann um Halb Neun mit seiner Band sofort voll da: „Fünf Jahre nicht gesungen“ ist der Startschuß für einen geilen Abend! „Danke für die Angst“, „& Jay-Z singt uns ein Lied“, „Das Mädchen von Kasse 2“, „Was wird aus Hannover“,….. Die neuen Songs ergänzen sich prima mit den Stücken aus dem ersten Album, die schon mittlerweile zu Klassikern geworden sind. Kein Wunder, „Junkies und Scientologen bietet wieder tolle Texte, markante Textzeilen und einen guten Mix aus ruhigeren Nummern und Uptempo-Stücken. Anders als das Zweitwerk „#2“, dass zu großen Teilen eher blutleer wirkt. Es ist dann auch interessant, dass sich hieraus an diesem Abend nur „Zugvögel“ auf der Setlist wiederfindet. 

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Dafür werden im weiteren Verlauf auch „Hits“ von Thees alter Band „Tomte“ zelebriert: Die Mitgröhl-Hymne „Ich sang die ganze Zeit von dir“ oder der Tresen-Knaller „Korn & Sprite“. Nur wo im September in Hamburg der Punk abging, bleibt das fränkische Publikum merkwürdig verhalten und feiert scheinbar mit angezogener Handbremse. Bitte nicht falsch verstehen: die Leute sind schon begeistert und zeigen das auch, aber irgendwie sagt mir mein Fan-Herz das da doch mehr gehen sollte. Liegts am Ü30 Publikum oder dass viele Leute mit der Thees-Historie nicht vertraut sind?

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Wer Weiß. Egal. Thees und die Band haben weiterhin richtig Bock. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ setzt zwar den vorläufigen Schlusspunkt, aber es werden dann noch drei Zugaben-Sets rausgefeuert. Unter anderem gibt’s bei „Schreit den Namen meiner Mutter“ noch mehr Tomte, „Römer am Ende Roms“ ist einfach nur schön und bei „Avicii“ wird die Bierflak nochmal ordentlich durchgeladen: „… du wartest auf die Liebe und ich auf das nächste Bier, der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer….“ Yes! „Die Schönheit der Chance“ bildet dann den würdigen Abschluß. Das Fan-Herz schlägt mit einer Begeisterung und hüpft hinaus in die Nacht auf die B73. Einfach nur glücklich sein!

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/ Text: Jörg Meyer, Bilder: Simon Strauß /