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Oehl im Interview // Verlosung

Eines heißen Sommers trafen sich der Österreicher Ariel Oehl und der gebürtige Isländer Hjörtur Hjörleifsson in einem kalten Keller. Das sollte schon bald der Start des Projekts Oehl sein. Mit „Über Nacht“ erschien am 24. Januar schließlich das Debütalbum des austro-isländischen Duos. Zum Valentinstag startet die Deutschland-Tour, die Oehl am 18. Februar auch im Club Stereo Nürnberg Halt machen lässt. Wir verlosen für ihren Gig in Nürnberg 2×2 Tickets!

Das ist uns Anlass genug, um zwischen Österreich und der fränkischen Provinz ein paar Text- und Sprach-Whatsys auszutauschen und mit Oehl nicht nur über die Nacht, die österreichische Musikszene und Unisex-Parfum zu sprechen. Howdy Peace Y’Olaf!

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HDIYL: Anfang 2018 habt ihr eure erste Single „Neue Wildnis“ veröffentlicht, zwei Jahre später ist nun euer Debütalbum raus – wie geht’s euch mit dem Album?

Hjörtur: Es fühlt sich sehr gut an, das Album endlich draußen zu haben. Wir haben an jedem dieser Tracks sehr lange rumgeschraubt, bis es gepasst hat. Auf dem Album sind nun auch Lieder, die sich vielleicht nicht als Single geeignet hätten, aber trotzdem eine wichtige Seite von Oehl und unserer Musik zeigen. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen der Leute.

Ari: Wir bekommen echt viel schönes Feedback. Einerseits von Journalisten und Journalistinnen, die gute Kritiken schreiben. Das ist sehr schmeichelnd. Aber andererseits kommt auch viel Feedback von Leuten auf Instagram, die uns anschreiben. Die sagen z.B., es hilft ihnen durch schwere Zeiten oder ihre Kinder lieben es. Die Musik erfüllt bei Leuten im privaten Rahmen ziemlich schnell eine Funktion außerhalb dessen, dass es im Radio gespielt wird. Das ist echt schön.

Hjörtur, du klingt ein bisschen wie Michael Jackson übers Telefon – das gefällt mir!

HDIYL: Wenn ich euer Album höre, klingt es für mich auch nach einem Beziehungsalbum: nach Trennung, Suche, Aufbruch und Neuanfang. Da ist der Opener „Bisher“, in dem ihr singt „ich kann nicht mehr stehen wo ich stehe bisher“. Dann kommt „Keramik“ mit „jedem Anfang geht ein Ende voraus“. Später bezieht ihr euch mit „Über Nacht“ auf Orpheus und seinem Ab- und Aufstieg aus der Unterwelt. Mögt ihr verraten, worum es bei euch bei „Über Nacht“ geht?

Ari: [wiederholt alles genau so] 😆

„Über Nacht“ ist unser erstes Album und ich glaube schon, dass ein paar Grundthemen abgearbeitet werden. Auf jeden Fall eine Suche nach Sinn und Glaube, viele Trennungen werden da verarbeitet und vielleicht auch Ängste vor Bindungen und Trennungen, die einen ein Leben lang begleiten. Im Song „Keramik“ geht’s um meinen Sohn Elon und dass das natürlich ein neues Kapitel aufmacht mit neuer Verantwortung und auch nicht wissend, wie das weiter geht. Das sind definitiv schwere Themen, die man aber ganz gut in der Musik verarbeiten kann. Die Musik ist ja nicht immer schwer zu hören (hoffe ich zumindest), es ist ja nicht Soap&Skin, sondern Oehl. Bei Soap&Skin klingt das Schwere auch schwer und bei Oehl klingt das Schwere auch mal leicht. Ich hoffe, das ist uns gelungen, denn wir wollen die Leute nicht depressiv machen mit unserer Musik, sondern glücklich.

HDIYL: Der Soap&Skin-Vergleich bzw. die Abgrenzung gefällt mir. Auch im DIFFUS-Interview habt ihr gesagt, dass ihr auf dem Album sehr persönliche Themen verarbeitet habt. Ist „Über Nacht“ dann ein Konzeptalbum oder steht jeder Song trotzdem für sich?

Ari: Paul von der Wiener Band Pauls Jets hat sein Album „Alle Songs bisher“ genannt und nachdem dieser Titel schon vergriffen war, mussten wir uns was Neues überlegen. Aber tatsächlich sind das alle Songs bisher! Aber jedem Anfang geht ein Ende voraus, d.h. wir arbeiten natürlich weiter und zielen auf mehr Musik ab, die raus kommt. Das wird vielleicht auch gar nicht mehr so lange dauern, weil wir einfach konstant im Machen sind. Beim ersten Album wussten wir zuerst noch gar nicht, dass wir ein Album machen – wir haben einfach Musik gemacht. Aber die Songs, die wir jetzt machen, sind thematisch auch viel enger und vielleicht gibt es in Zukunft so etwas wie eine Konzept-EP, aber das erste Album ist so ziemlich eine Sammlung aller Songs bisher.

Hjörtur: Im Nachhinein sind wir aber auch darauf gekommen, dass gewisse Themen immer wiederkehren, wie die Nacht z.B. Es ist ein sehr schöner Rahmen für das Album. In der Nacht werden alle Gedanken, ganz egal wie diffus und unterschiedlich sie sind, verarbeitet in unseren Träumen. In der Nacht kann man aber auch raus gehen und sich gegen den Schlaf wehren und tanzen gehen. Das ist ein schönes Bild und ein schöner Titel für das Album – „Über Nacht“.

HDIYL: Hjörtur, da hast du mir die Frage nach dem Thema „Nacht“ schon vorweg genommen! Was ich sehr erfrischend finde: Oehl grenzt sich auch durch die Sprachwahl von anderen deutschsprachigen Acts ab. Ari, woher kommt deine Vorliebe für diesen verschnörkelten, fast schon altertümlichen“ Sprachstil?

Ari: Ich glaube es ist eine recht „normale bürgerliche Sprache“, die ich mir durch das Hören von Radio Ö1 oder das Lesen von Büchern angeeignet habe. Die Sprache steht vielleicht im Gegensatz zu diesem Ghetto-Deutsch, was man heutzutage oft hört, ist aber trotzdem recht normal. Meine Mutter ist Lehrerein, mein Vater Sozialarbeiter und ich würde sagen, das sind recht normale Umstände, um an Bildung zu kommen. Es gibt ja Natascha Kampusch, ein Österreichisches Phänomen neben Oehl, auch fast so groß, und die hat gesagt, dass sie so eine ganz eigenartige Sprache hatte, als sie aus ihrem Kellerverlies kam vor etlichen Jahren – so eine Radiosprache und das kam davon, dass das ja ihre einzige Bezugsquelle für Sprache war. Es ist ein ganz interessantes Phänomen, dass wir sehr stark durch das Sprechen der Menschen um uns herum sozialisiert sind.

Die Themen, die bei uns verhandelt werden, also Mythologie und andere Bilder, die man nicht typischerweise in Popmusik findet, finde ich einfach persönlich spannender als z.B. Powerbanks und LED Licht und solche Dingen. So etwas finde ich total uninteressant und das kommt und geht – Mythologie bleibt. Auf der anderen Seite möchte ich hier auch eine Empfehlung abgegeben – für alle Menschen, aber auch für Menschen mit Kindern und Jugendlichen zuhause. Der österreichische Geschichtenerzähler Michael Köhlmeier erzählt griechische Mythen und Sagen und Märchen aus aller Welt nach. Er verwendet dabei eine Sprache, die sehr normal ist. Er erzählt, als würde er von Freunden erzählen. Aber die Themen sind wirklich toll, z.B. auch das Alte Testament hat er nacherzählt. Es ist eine großartige Geschichtensammlung, jetzt mal abgesehen von dem Glaubensteil davon. Da gibt es einfach ganz viele archaische Geschichten, die der griechischen Mythologie zwar nicht ganz ähnlich sind. Aber es ist ganz passend für unsere Art von Glauben und unseren Zugang zu Übersinnlichkeit. Weil es nicht darum geht, was Gott bewirken kann, sondern was er in mir auslösen kann. Ich bin jetzt nicht super gläubig, aber dieser Gedanke, dass mein Glauben mich zu etwas bringen kann und der mich dazu leiten kann, mein Leben in den Griff zu nehmen, finde ich ganz okay.

HDIYL: Unter der Rubrik „Über Nacht mit Oehl“ besprecht ihr auf eurem YouTube-Kanal eure Musikvideos und vertreibt euch die Nacht mit Freunden und musikalischen Wegbegleitern. Das wirkt alles sehr familiär und wertschätzend. Wie wichtig sind euch die Menschen rund um die Band?

Hjörtur: Die Menschen drum herum sind uns sehr wichtig. Das Projekt hat zwar zu zweit begonnen in einem kalten Keller im heißen Sommer, aber wir sind raus gekommen und haben dann die Musik an unseren Produzenten Marco Kleebauer gegeben. Seitdem hat sich das Projekt Oehl verwandelt von einem Duo zu einem kollaborativen Projekt. Wir arbeiten viel mit anderen Künstlern aus der Wienerischen Musikszene. Auf dem Album sind Sophie Lindinger zu hören, die andere Hälfte von Leyya mit Marco Kleebauer, oder Mwita von At Pavillon hört man in „Keramik“. Mehre Menschen, die an dem Album teilgenommen haben und auch bei den Videoproduktionen beteiligt waren. Die Idee, diese Interviewsession zu machen, kam daher relativ natürlich. Es ist wahrscheinlich spannender, mit den Leuten um uns herum zu reden als dass wir uns gegenseitig immer nur Fragen stellen und antworten.

Ari: Oehl waren von Anfang an nicht nur Hjörtur und ich, unsere Dritte im Bunde (Sängerin Elena Shirin) ist aber noch vor der Veröffentlichung unseres zweiten Songs abgesprungen und so haben wir uns für jedes Lied neue „Familienmitglieder“ gesucht. Sophie Lindinger (My Ugly Clementine / Leyya)  singt ja z.B. auf jedem zweiten Song mit. Und die Liveband ist jetzt die erweiterte Familie, quasi die Cousins und Cousinen. Dazwischen gibt’s zig Leute die Videos machen etc., bei Oehl sind das keine Dienstleister, sondern Mitwirkende.

HDIYL: Ihr habt ja nun schon einige österreichischen Bands erwähnt. In einem Insta-Video sieht man euch auch, wie ihr euch über eure Vinyl-Sammlung unterhaltet, hinter euch ist das Album der Österreicher Cari Cari platziert. Und auch generell sieht man in euren Insta-Posts hier und da Querverweise zu anderen österreichischen Bands – wie schätzt ihr den Zusammenhalt unter österreichischen Künstlern denn generell ein?

Ari: Könnte noch mehr sein. Also ich lieb das und wir machen jetzt bald mal was mit Yukno, darauf freu ich mich auch sehr. Wir arbeiten auch gerade an Coverversionen unserer Songs mit anderen. Z.B. Culk, auch eine der spannendsten Bands zurzeit. 2020 heißt die Devise Content Content Content 💘.

Hjörtur: Inhalt, Inhalt, Inhalt würde ich sagen.

Ari: Oehl würde das bestimmt auch sagen. Scherz bei Seite, wir sind keine Deutschfanatiker. Und Content hat auch diesem bitteren Social Media Beigeschmack. Abliefern ohne Rücksicht auf die Qualität.

HDIYL: Content Content Content ist keine schlechte Devise und eine sehr notwendige im heutigen Musikbusiness, um die nötige ‚Relevanz‘ zu erhalten. Wie erlebt ihr das Musikbusiness?

Ari: Hart aber herzlich.

HDIYL: Bei Grönland Records seid ihr da wahrscheinlich noch etwas sanfter und freundschaftlicher beherbergt?

Ari: Um relevant zu werden kann man nicht einfach was veröffentlichen und abwarten, sondern muss echt dahinter sein. Die anderen Artists sind aber eine echte Unterstützung, angefangen bei Casper, Grönemeyer. Grönland ist ein kleines Label mit viel Erfahrung. Besser hätten wir es nicht erwischen können.
Hjörtur: Wir haben selber aber auch das Glück gehabt vom Anfang an beim Wiener Label Ink Music zu sein, die uns auch bei der Orientierung durch dieses Neuland Musikindustrie geführt haben, Grönland ist eben später dazugekommen und alle sind wir jetzt gemeinsam eine Patchwork Familie, eine funktionierende aber.
Ari: Genau, wir wollten Ink unbedingt mitnehmen, weil da auch sehr viel Expertise im österreichischen Markt beheimatet ist. Bilderbuch war bis zum eigenen Label auch bei Ink.

HDIYL: Nun haben wir über die österreichische Musikszene geschrieben, aber auch die Nähe zu euren Fans scheint euch sehr wichtig zu sein. So wolltet ihr z.B. allen, die noch vor Weihnachten Tickets für eure Tour kaufen, eine persönliche Videobotschaft für den Beschenkten als Weihnachtsgruß schicken. Habt ihr das geschafft?

Ari: Natürlich. :) War etwas zach, zugegeben, aber auch super schön weil nicht wenige Videos unbeantwortet geblieben sind :)
Heutzutage ist es immer wichtiger echte Fans zu haben, also Menschen die zu Konzerten gehen aber auch die Platte kaufen. Vom Streaming allein leben geht nicht. Mittlerweile sind 6 Shows ausverkauft, das ist natürlich toll!

Hjörtur: Das ist für uns auch die erste handfeste Bestätigung. Interesse seitens der Musikbusiness und Medien ist gut und schön, aber wenn die Leute nicht zu den Konzerten auftauchen, ist das wenig Wert. Dafür freuen wir uns umso mehr.

HDIYL: Bedeutet ja aber auch, dass ihr eigentlich permanent touren und neuen Content liefern müsst, um davon wirklich leben zu können. Nicht ohne Grund haben vor allem Musiker mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen zu kämpfen. Habt ihr Taktiken, mit diesem Erfolgsdruck umzugehen?

Ari: Erfolgsdruck ist die eine Sache. Ich glaube, es geht eher darum selbstständig zu sein und um eine sinnvolle Arbeitszeiteinteilung. Also wenn ich mir überlege, 40 Stunden in einem Büro zu sitzen, dann frage ich mich, ob ich mit der Musik wirklich 40 Stunden schaffe. Manchmal sind es wahrscheinlich mehr, manchmal weniger. Es gibt aber nicht diese starre Einteilung in Arbeitstage, es sind sieben Arbeitstage die Woche. Es wird selbst und ständig gearbeitet, so wie es halt ist mit der Selbstständigkeit. Ich glaube, das unterscheidet sich nicht viel von jemanden, der z.B. eine App entwickelt oder ein Nagelstudio hat und dazwischen auch noch Rechnungen machen muss.
Ich habe keinen Erfolgsdruck und ich glaube, den brauchen wir auch gar nicht. Es geht eher darum, eine gewisse Aufmerksamkeit nicht verpuffen zu lassen. Denn das passiert ganz vielen Bands: das erste Album kommt, ein paar Leute schreiben drüber und dann ist es sehr schade, wenn es ein paar Jahre liegen bleibt und man geht vielleicht auf Tour, macht aber sonst nichts. Deswegen möchten wir dieses und das nächste Jahr nutzen und durchgehend Material liefern und Musik machen. Im Endeffekt haben wir gerade einen guten Lauf im Machen und kommen recht gut auf Ergebnisse und es macht ziemlich viel Spaß. Ich möchte es nicht missen. Außerdem bin ich vom Horoskop her Widder und Widder sind bekanntermaßen eher Boreout-Kandidaten als Burnout. Ich kann immer tun, das ist nicht das Problem. Und Hjörtur ist einfach ein totaler Unterstützer und gibt so eine gewisse Ruhe rein. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ist, ein bekannter Künstler zu sein und wirklich Druck zu haben von Labels oder Fans. Eine Tour oder ein Konzert absagen bei gewissen Größen heißt dann einfach, Millionen zu verlieren. Das ist bei uns ja alles Peanuts, wir bewegen uns im so kleinen Rahmen, dass der Druck nicht so hoch ist. Es ist eher das Tempo, mit dem wir mithalten müssen und das wir uns auch selber vorgeben müssen. Das ist manchmal hart und mehr als Leistungsdruck.

Hjörtur: Ich würde auch behaupten wir sind beide relativ gut gebaut und psychisch gut gewappnet für eventuellen Druck. Außerdem genießen wir den Vorteil vieler Menschen um uns herum die uns unterstützen, aktiv und passiv.

HDIYL: Auf Instagram habt ihr auch geschrieben „Wir sagen Danke 2019, dass du 2020 so gut für uns vorbereitet hast.“. Außerdem wurdet ihr nun für den FM4 Award nominiert – seid ihr glücklich und zufrieden mit der Entwicklung der Band? Oder hätte aus eurer Sicht noch etwas anders laufen können und sollen?

Hjörtur: Ich würde sagen, dass das Positive eindeutig die Oberhand bisher hatte. Was das Negative betrifft, ist es eh nicht mehr relevant, sobald es in der Vergangenheit liegt. Da kann man nur in die Zukunft schauen oder sich auf das Gegenwärtige konzentrieren.

Ari: Ich glaube, beim Machen hat alles gestimmt, wir haben einiges an Chancenintelligenz bewiesen, aber letztlich wär‘s toll noch mehr Leute zu erreichen. Immer.

Hjörtur: Besonders glücklich sind wir aber auch mit der Live-Umsetzung und der Band, mit der Rezeption von dem Album und dem ganzen Feedback, das wir bisher bekommen haben. Das schließt aber nicht aus, dass man schnell unruhig wird und Lust drauf bekommt, an neuem Material zu arbeiten. Wir sind längst dabei und so bleiben wir beschäftigt.

HDIYL: Ihr habt nun schon verraten, dass ihr fleißig an neuen Songs arbeitet und durchgehend Material liefern wollt. Wo und wann seid ihr denn am kreativsten? Wann sprudelt es aus euch heraus?

Ari: Einerseits immer dann, wenn wir die Möglichkeit haben, mit unserem Produzenten Marco Kleebauer zusammen zu arbeiten. Oder wenn man mit anderen Leuten zusammen sitzt und Musik macht. Das Gemeinsame ist sicher das Produktivste, da ist die Aufmerksamkeitsspanne bei mir definitiv am höchsten. Da gibt es kein Handy, das ablenkt. Und auf der anderen Seite ganz in der Früh nach dem Aufstehen, das kann teilweise auch schon mal um halb 6 sein im Sommer. Da ist bei mir diese Ruhe, da sich noch niemand meldet und keine E-Mails kommen. Das kann ich gut nutzen und bin sehr produktiv. Am Nachmittag ist wenig los in meinem kreativen Zentrum.

HDIYL: Was dürfen eure Fans dann in diesem Jahr erwarten? Wird es schon bald einen neuen Song geben, eine neue EP oder gar ein Album? Neuen ausgefallenen Merch, wie ein eigenes Parfum (gibt es das wirklich?)?

Ari: Das Parfum gibt es! Und sogar auf der Tour zu kaufen 🎺🐛 Wir gehen jetzt nicht davon aus, dass es ein Hitseller wird, aber es riecht wirklich gut und ich trage es. Außerdem ist es die duftgewordene Kindheitserinnerung an einen Waldspaziergang mit meinem Großvater. Es ist Unisex. Hat Noten von Heidelbeere, Estragon, Muskatellersalbei, Pinie und Tabak. Männer tragen es sehr selbstbewusst und Frauen die etwas bodenständigere Düfte mögen auch, es ist nicht sehr blumig.
Wir wissen noch nicht wann was kommt, aber it‘s coming. Like Death and Taxes. Ersteres aber erst in frühestens 70 Jahren.

Ihr wollt am 18. Februar beim Oehl-Konzert im Stereo Nürnberg dabei sein?
HDIYL verlost 2×2 Gästelistenplätze. Schreibt uns dafür über unsere Facebook-Seite oder per Mail an sarah[at]hdiyl.de mit dem Betreff „Oehl“.

Oehl im Netz:
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Oehl in Echt:
14. Februar 2020 – München
15. Februar 2020 – Stuttgart
17. Februar 2020 – Darmstadt
18. Februar 2020 – Nürnberg
19. Februar 2020 – Bremen
20. Februar 2020 – Hamburg
21. Februar 2020 – Berlin

// Text: Sarah Grodd //
// Bild: Tim Cavadini //

Like Lovers 1 (c) Melanie Schlösser

Like Lovers im Porträt // Verlosung

Mit „Everything All The Time Forever“ erschien am 06. September 2019 das erste Solo-Album von Like Lovers. In nächtlichen Aufnahme-Sessions entstanden elf Songs, an denen Jan Kerscher neben seinem Hauptjob als Musikproduzent über sechs Jahre gefrickelt hat. Aktuell steht der zweite Teil der Tour bevor und dieser führt Like Lovers am 30. Januar auch nach Nürnberg. Wir verlosen 2×2 Tickets dafür!

Inmitten der Tourvorbereitung und Aufnahme-Sessions mit anderen Bands haben wir uns mit Jan auf einen Tee in seinem Studio Ghost City Recordings getroffen. Dabei haben wir auch über Limitationen, Lost In Translation und die Liebe zu den eigenen Songs gesprochen.

Du bist seit Oktober mit ein paar Unterbrechungen auf Tour. Wie geht’s Dir? Bist du erschöpft?

Jan: Es ist ein völlig verrücktes Gefühl, ich kann es gar nicht richtig einordnen. Ich habe das Gefühl, total schlecht vorbereitet zu sein, weil ich mich daran erinnere, wie heftig ich mich auf den ersten Teil dieser Tour vorbereitet habe und dass es Monate gedauert hat. Wir sind nach wie vor aber gut vorbereitet, weil wir eigentlich nie richtig aufgehört haben, zu touren.

Ich bin schon aufgeregt und ich hab immer mega Bock, Shows zu spielen. Aber es hat eine anstrengende Dualität für mich. Ich schätze es total, hier stationär im Studio zu sein und mit coolen Leuten coole Mucke zu machen. Und im Hingang auf eine Tour denke ich mir „Lieber zuhause bleiben und mal ausschlafen“, weil Touren auch anstrengend sind. Aber sobald man im Auto sitzt, freut man sich auf die Shows. Der erste Teil der Like Lovers-Tour war eine der schönsten Touren, die ich jemals gespielt habe. Aus irgendeinem Grund hat alles perfekt funktioniert und alle waren super drauf.

Liegt das auch daran, dass es mit deinem Solo-Projekt Like Lovers nun erstmalig dein ganz eigenes Baby und somit anders als bei einem gemeinschaftlichen Bandprojekt ist?

Jan: Ja und Nein. Es hat seine Vor- und Nachteile, ein Soloprojekt zu machen. Die Vorteile liegen auf der Hand: du hast alles im Griff. Alle Entscheidungen, die getroffen werden, sind deine eigenen und das ist gleichzeitig auch ein Nachteil. Du bist nicht verpflichtet, diese Entscheidungen mit anderen gegenzuchecken. Ich mache das trotzdem die ganze Zeit, weil ich mir dann selber auch nicht so sicher bin.

Im PULS-Interview hast du gesagt, dass du nicht noch einmal ein Solo-Album machen möchtest. Ist die alleinige Entscheidungsgewalt ein Grund dafür?

Jan: Ja – im Englischen gibt es dieses schöne Wort „self-contained“. Es illustriert schön, dass alles in einer Sphäre ist. Das hat eine Abgeschlossenheit, die gleichzeitig Vorteil und Nachteil ist, weil man niemals gezwungen ist, Kompromisse zu suchen und Fehlgedanken nicht als solche erkennt. Als einzelner Mensch bist du nur in der Lage, die Dinge auch nur aus einem – nämlich aus deinem – Blickwinkel zu betrachten.

Ist die Hürde, etwas zu veröffentlichen, als Solo-Künstler größer als in einer Band?

Jan: Ja, das macht es emotional wahrscheinlich auch viel anstrengender. Wenn man zu dritt einen Song produziert und präsentiert, kann man das immer noch etwas abwälzen à la „Ich hab das mit den anderen gemacht. Ich habe zwar dazu beigetragen, aber das ist nicht die Essenz von mir.“. Bei meinem Solo-Album habe ich alles selber gemacht, es war nicht einmal jemand dabei fürs Recording und Mixing. Dadurch gibt es keine Ausrede für mich. Alles in den Songs ist wie es ist, weil ich es so gemacht habe. Klar ist es dann auch viel direkter und es kommt auch direkter zu mir zurück, wenn es kritisiert oder gelobt wird.

Dein Album ist ja glücklicherweise gut weg gekommen. Apropos Kritik: Ich bin über zwei witzige YouTube-Kommentare gestolpert: „fantastico – is this going to be the next big thing? I hope so.“ und „Ich wollte fragen, wie Sie sich erlauben können so unbekannt zu sein?!“. Wie fragil ist Lob oder Kritik für dich?

Jan: In dem Buch „Big Magic“ von der Autorin Elizabeth Gilbert geht es um den Umgang mit der eigenen Kreativität. Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Wort Genie. Heutzutage verwendet man die Redewendung „Jemand ist ein Genie“. Das legt die ganze Verantwortung gegenüber der Genialität auf die Person selbst. Der Ursprung dieser Redewendung ist aber eigentlich „einen Genie haben“ i.S.v. Flaschengeist oder Spirit, der dir hilft. Das ist viel besser, denn es verhindert bei einem produzierten Werk, einen Höhenflug zu kriegen, denn das Lob gebührt ja nicht nur dir, auch deinem Genie. Und das gleiche gilt für Kritik: es zerstört dich nicht so sehr, weil der Genie es ja auch mit „verkackt“ hat. Das ist ein Schutzmechanismus, der dadurch verloren geht, indem man Genialität einem Individuum als Attribut zuschreibt. Und auch das findet sich in dem Gedanken wieder, gemeinsam statt alleine Musik zu machen. Wenn ich als Gruppe auf einer Bühne stehe, ist es für mich viel einfacher, mich wohl zu fühlen. Das ist auch die Erfahrung mit den vielen Solo-Konzerten, die ich jahrelang gespielt habe. Am Anfang war es für mich der blanke Horror! Ich war so aufgeregt und ich bin eigentlich im Alltag ein relativ extrovertierter und selbstbewusster Typ. Aber dann stehst du alleine auf so einer Bühne und kriegst plötzlich das Zittern und machst Fehler ohne Ende, die du vorher noch nie gemacht hast. In einer Band passiert das deutlich weniger und selbst, wenn man mal einen Fehler macht, hat man viel mehr Möglichkeiten, das als Gruppe aufzufangen.

Für die Live-Shows zu „Everything All The Time Forever“ hast du dich für eine Live-Band entschieden. Im November wart ihr auch zusammen für vier Gigs in Japan. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Jan: Es geht nur sehr schwer in ein europäisches Hirn rein, wie Japan funktioniert. Das hört sich wie eine abgedroschene Floskel an, aber man muss wirklich dort sein um zu verstehen, dass man es nicht verstehen kann. Wer den Film „Lost in Translation“ gesehen hat: ich verstehe den Film jetzt auf jeden Fall tausend Mal besser als jemals zuvor. Du kannst Sprachen, Musik und Mathematik übersetzten, aber du kannst nicht Kultur und Denkmechanismen übersetzen.

Die Tour an sich war wahnsinnig interessant. Es war ein erstes Scouten und Ausspähen dieses Territoriums. Wenn ich dort nochmal stattfinde, dann aber erst einmal in einem kleineren Set Up solo oder als Duo. Als Band ist der Aufwand surreal groß.

Es geht auf deinem Debütalbum „Everything All The Time Forever“ um nicht weniger als Gesellschafts- bzw. Konsumkritik und um Beschleunigung und den Selbstoptimierungsdrang der Menschen. Sind das Themen, die dir täglich durch den Kopf gehen?

Jan: Die Grundmetapher des Titels „Everything All The Time Forever“ ist, dass es für das, was der Mensch verstehen kann (auf inhaltlicher, emotionaler, sozialer Ebene), einen Rahmen gibt. Der ist bei manchen größer und bei manchen kleiner, aber die Gesellschaft ist global auf jeden Fall am Limit oder sogar drüber. Wir sind den ganzen Tag voll mit Gedanken und Verpflichtungen. Das Album heißt so, weil es einfach ein omnipräsentes Gefühl in meinem Leben ist. Dieses Gefühl des ganz nah an der Grenze Seins. Ich habe versucht, zusammenzufassen, wie man damit umgehen kann, aber echte Lösungen kann ich leider auch nicht bieten.

Sechs Jahre liegen zwischen deinen EPs und dem Debütalbum, das klingt erst einmal nach einem langen Zeitraum. Lag es neben der fehlenden Zeit nicht vielleicht auch daran, dass du als Produzent eventuell besonders kritisch oder perfektionistisch in Bezug auf deine eigene Musik bist?

Jan: Das ist eine interessante Frage, die ich wahrscheinlich erst nach dem nächsten Album befriedigend beantworten kann. Für das zweite Album habe ich total Bock, mir auch von anderen Leuten einige Songs für Like Lovers schreiben zu lassen. Früher hätte ich das total kritisiert und jetzt fände ich diese Möglichkeit total spannend. Jedes Mal, wenn ich mit einem anderen Künstler oder Band einen Song produziere, komme ich mir selbst wahnsinnig effektiv vor, habe immer messerscharfe Begründungen und bin auch mit Entscheidungen viel schneller. Ich glaube, es liegt an dieser Außenbetrachtung. Wenn man als Außenstehender das Zwischenergebnis betrachtet, sieht man viel eher die Fehler im Prozess. Wenn man aber selber inmitten dieses Prozesses ist, ist es sehr schwierig, zu sehen, was man falsch gemacht hat. Da braucht man einfach die Augen oder Ohren anderer. Das ist genau das, was ich meinte, wenn ich sage, ich will nie wieder ein Solo-Album machen. Ich will nicht mehr ausschließlich alleine Musik machen.

Der Albumtitel „Everything All The Time Forever“ steht seit ca. fünf Jahren und somit teilweise noch vor den Songs. Ist das nicht eher eine untypische Herangehensweise?

Jan: Wenn du dir einen Titel ausdenkst, hast du den ja nicht erarbeitet. In der Regel fällt er dir einfach ein, genauso wie ein Bandname oder eine Songidee. Wie wir Dinge nennen, hat einen sehr starken Einfluss darauf, wie wir mit Dingen umgehen. Eigentlich haben alle Sprachen verschiedene Möglichkeiten, das Glas halb voll oder halb leer zu machen. So ist es mit musikalischen Titeln auch. Wenn du respektierst, was ein Titel bedeutet, kannst du eigentlich nur etwas daraus machen, was Sinn ergibt. Beim Produzieren merke ich oft, dass wir einen Song bis zu einem gewissen Grad ausproduzieren und dann nicht weiter kommen. Dann schaut man sich noch einmal die Lyrics an und in den Lyrics steht plötzlich drin, warum der Song noch nicht so klingt wie er klingen soll: dann geht es z.B. um etwas total Weiches, Intimes und man merkt, dass man an der Stelle gerade vier Gitarrenspuren übereinander aufgenommen hat. Dann muss man vielleicht einige Spuren wieder löschen, damit es intim und weich klingt.

Tatsächlich ist es ganz oft so, dass ich einen Songtitel ganz am Anfang habe und aus ihm dann der Song wird. Es ist aber nicht immer so. Manchmal gibt es vor dem Titel schon ein Konzept, ein Gefühl, einen Sound oder Satz. Bei „I Float on Your Love“ bin ich z.B. von meiner ehemaligen Freundin in Eichstätt nach Hause gefahren. An dem Tag habe ich mich sehr positiv und stark gefühlt. Auf dem Rückweg von Eichstätt war einfach der ganze Refrain sofort vollständig in meinem Kopf da – das passiert mir sehr selten. Aus dem Auto habe ich noch einen Kumpel angerufen (es war schon sehr spät) und meinte, dass wir uns sofort im Studio treffen und aufnehmen müssen, weil es sonst nie wieder zurückkommt. Das war vor zehn Jahren und seitdem hat dieser Song ganz viele Transformationen erlebt. Er ist eine Spur kräftiger und voller geworden, aber das passt immer noch zu der Grundaussage, dass man ein bekräftigendes Gefühl aus der Beziehung zu einem anderen Menschen nehmen kann, was einen so unverwundbar fühlen lässt.

Wie läuft es heutzutage, wenn dir eine Idee kommt?

Jan: Ich finde das Klackern meiner Scheibenwischern im Regen interessant. Dann nehme ich das Geräusch mit meinem Handy auf und denke mir im Hinterkopf immer, dass ich daraus irgendwann einen geilen Beat baue. Das mache ich aber nie, weil ich es mir nicht noch einmal anhöre. Mein Handy ist voll mit irgendwelchen Sprachmemos. „Health“ ist auch im Auto entstanden, bei „Am I Still Here“ bin ich in Berlin von A nach B gelaufen. Ich erinnere mich noch ganz genau an die Stelle, an der ich dieses Intro zum ersten Mal gesungen habe. In solchen Momenten speichere ich einen Einzeiler in mein Handy. Manchmal ist die Idee kräftig genug, um lang genug in meinem Hinterkopf zu bleiben, bis ich dann irgendwann kurz Zeit habe, die Idee im Rechner zu skizzieren.

Es könnte doch aber ganz spannend sein, in alte Musikskizzen auf deinem Handy reinzustörbern. Vielleicht trägt sich eine Idee heute weiter, die es damals nicht geschafft hat?

Jan: Ja, aber das geht nicht nebenbei, du brauchst immer diesen Anfangsenthusiasmus. Das ist wie das Verliebtsein: dann ist die Partnerin am Anfang ja die Schönste, es gibt niemanden, der schöner ist. Und wenn die musikalische Idee frisch ist, ist es ganz genauso. Aber wenn man es nicht sofort umsetzt, verfliegt das Gefühl schnell wieder.

Ich finde die Metapher schön, dass man in seine eigenen Songs verliebt ist – irgendwann kann man die Gefühle ja aber auch wieder verlieren. Bist du auf der Halbzeit deiner Tour noch verliebt in deine Songs?

Jan: Ich habe jetzt noch das Gefühl, dass meine Beziehung zu diesen Songs gereift und erwachsener geworden ist.

Du reagierst fleißig auf Kommentare deiner Fans – das fand ich sehr schön, es nimmt aber sicherlich auch viel Zeit in Anspruch. Wie wichtig ist dir die Nähe zu deinen Fans?

Jan: Das ist ein sehr frustrierendes Thema. Am liebsten würde ich mich mit allen unterhalten und ich habe auch zu sehr vielen Fans eine persönliche Beziehung. Auf meiner Support-Tour für The Intersphere im letzten Jahr hatte ich kein Merch dabei, weil es alles etwas knapp war und ich auf ihrer Tour auch keine Musik verkaufen wollte. Ich wollte trotzdem irgendwie in Erinnerung bleiben. Ich habe eine Vorab-Single vom Album als Download-Code auf Postkarten dabei gehabt, die bereits an mich adressiert und frankiert waren. Man konnte sich einfach die Postkarte auf der Show mitnehmen, sich den Song runterladen und anhören und mir dann eine Postkarte zurück schreiben. Da sind ca. 100 Postkarten zurückgekommen. Und alle haben einen Brief von mir zurückbekommen. Ich sag es dir, 100 Postkarten zu beantworten, dauert viel länger als man denkt! Ich habe sie alle noch. Aus München kam z.B. Post mit zwei vollgeschriebenen DIN A4-Seiten zu meinem Album und geziechneten Bildern, die die Leute beim Hören des Albums sehen. Wenn ich so etwas unbeantwortet lassen würde, würde ich mich schlecht fühlen. Das ist ja aber auch genau das, was man gerne haben möchte: dass sich die Leute reingefühlt haben und man merkt, dass man einen Beitrag leistet. Deswegen habe ich eine enge Verbindung zu den Leuten, die meine Musik genießen und beantworte eigentlich alle Nachrichten in den meisten Fällen persönlich, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Es ist total schön, aber es wird immer begleitet von diesem Schatten, dass man nicht mehr genug Lebenszeit dafür haben wird, wenn das Projekt wächst.

Es wird auch weiterhin solche Aktionen geben, die die Limitierung unserer Zeit aufzeigen. Auch in dem Video zu „Fall“, das man sich erst nur zwischen Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang ansehen konnte, ging es darum, den Leuten im Internet nicht alles so einfach zu machen. Auf meiner Website sind teilweise kleine Bubbles, die über dem Text hängen und total unpraktisch sind; an denen man vorbei scrollen oder das Fenster kleiner machen muss, um den Text lesen zu können. Nur, wenn es Hindernisse gibt, kann man sich auch wirklich damit beschäftigen. Ich mag den Gedanken, dass man mit Dingen aktiv interagieren muss.

Ihr wollt am 30. Januar beim Like Lovers-Konzert im Stereo Nürnberg dabei sein?
HDIYL verlost 2×2 Gästelistenplätze. Schreibt uns dafür über unsere Facebook-Seite oder per Mail an sarah[at]hdiyl.de mit dem Betreff „Like Lovers“.

Like Lovers im Netz:
Website
Facebook
Instagram

Like Lovers in Echt:
28. Januar – Darmstadt, Schlosskeller
29. Januar – Stuttgart, Juha-West
30. Januar – Nürnberg, Stereo
31. Januar – Göttingen, Nörgelbuff
01. Februar – Celle, MS Loretta
03. Februar – Würzburg, Cairo
04. Februar – Mainz, Schon Schön

// Text: Sarah Grodd //
// Bild: Melanie Schösser //

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Gefragt: Sion Hill

Manchmal da reichen fünf Fragen einfach nicht aus, um einen Künstler anständig vorzustellen. Es gibt ja auch noch so viel mehr zu erzählen, besonders wenn das Debüt ansteht.

Also saßen Sion Hill und ich bei einem Whisky zusammen und haben geredet. Sehr viel sogar und im Nachhinein hoffe ich, dass dieses Interview einen Sinn ergibt, denn wir sind von einem Thema zu anderen gesprungen und haben uns hier und da verquatscht. Wie man das eben bei einem guten Gespräch auch macht!

HDIYL: You’ve been on a little acoustic tour through Europe the last weeks. How has it been so far?

It’s been great! It’s been three weeks, travelling in a small van and it broke down in Munich. Super sad, because we had a lot of space, you could lie down in the back and sleep. The windscreen wiper broke at 3 am in the night. We pulled in at the side of the road and waited three hours. Just rain, terrible weather. Then ADAC came and collected us. They gave us a shitty car, it was like a soccer mom car. So we are driving in this soccer mom car for the next days. The van was named and it had so much personality. We were vlogging everything – hilarious things happened. We slept in there twice. We went to the beach near Amsterdam, called Bloemendaal. There were a lot of people surfing there and we were filming a song there. We were filming live sessions in every city we’ve been on tour, vlogging everything in between like gigs and interviews. At this place, we stranded there and it was a gay pride that weekend. No hotels were available. It was crowded – I loved it. But we had nowhere to stay. So we ended up in Bloemendaal staying in the van by the beach.

HDIYL: So you had no breakfast in Amsterdam?

Yeah, we did. We drove to the city and had breakfast. So this place Bloemendaal is very cool. Had a swim there in the morning. It’s been eventful. Now we are in this little shitty car and the tour has been decent other than that.

HDIYL: In February, you toured with Pete Doherty. Did you get any advice from him?

No, I didn’t get advice. I’m not sure, whether he’s someone who gives advice. Maybe, if you ask.

HDIYL: Did you learn something from how he does things on stage for example?

I learned so much! I met him, when he was in Hamburg in the studio. We both share the same record label and shared an apartment below the studio. We lived there for a week. We were going out to pubs, were playing music together. I started get to know him and asked him, if he needs a support for his tour. A couple of weeks later, his manager called me and asked me, if I want to come. I played these stages and in front of that many people – never did it before. The crowd was there for him, not for me. So I had to win them for me. It’s a battle. I think, I learned that you have to stay fit, when you’re doing this, because it’s really easy to get into that. Normally I have a decent routine in my life. Most people need this, otherwise you get messed up, especially living in Berlin. When you’re travelling every day, going by car up to ten hours, that’s really hard to stay healthy or fit. I learned that from him. I was watching his shows and how he reacts and works with the crowd. How he gets things going, when it is going down. He has a similar set list every night. They kept changing, every single night, because when the crowd is a little bit down, they just play “Fuck Forever” and everyone goes crazy. I always did that with cover songs, because the reason for that, is people know the lyrics and sing along, get excited again. I’ve never played in front of a German crowd, that’s what the Pete tour taught me. He was able to adapt to the crowd every time. I don’t know, if it was him or his experience. I definitely learned from that a lot. More from watching him, than from advic . It was a cool experience, I highly recommend it! Going on tour with Pete Doherty.

HDIYL: So we will see the result on your October tour?

Absolutely!

HDIYL: Great, looking forward to that! You mostly wear suits on stage, how important is fashion to you? Normally, I would ask this question more to girls than to boys, but I used to work in a club as a stage manager and boys think a lot about what to wear on stage, too.

Of course, they do. There a two things, stage and daily life. In Ireland, there’s always this separation between day and night, maybe everywhere. My ex-girlfriend was so into fashion and had the craziest and beautiful clothes all the time. She was always ahead of the trends and I was just wearing hoodies and jackets every day. I just like it keeping it very simple – shirt, pair of jeans and a jacket.

I really love soul music and all this 60s and 70s vibe, treating the stage like a lady, respect it and dress up for it. Right? I don’t know, that’s what I’m trying to do. It also stands out. There are so many guys, doing this Singer / Songwriter stuff and I don’t register with that. I don’t think I am a Singer / Songwriter. Even though I am, but I never wanted to be. I’ve always been in bands and when I started to do this solo, I wanted to translate this band thing to this and not being another Ben Howard. There are so many people like that! I like wearing suits.

HDIYL: Do you want your band to wear suits, too?

Yes, I really like to set up a stage and how it looks. My mother is an interior designer, she’s really into spaces and how to make it look good. I fail, because I’m never as good as she is. I’m trying to make it look unique. That’s also something I learned from the Pete Doherty tour. How to set up the stage, use it for the show. Wearing a suit on stage, gets very hot, depends on the venue, and often I just get super sweaty. Super hot shows, but it’s nice. I just love wearing suits, normally I don’t do it.

I did the showcase in Berlin, where you’ve been, and I wore a suit, because we were in a Herr von Eden shop and it was a suit from them. But there was no stage and usually, when there’s no stage, I wear whatever I wear in that day. Maybe a nice shirt. Sometimes you want to dress up. I mean, who doesn’t want to go to an event and putting on a suit.

HDIYL: Everyone does for sure! Coming now to your music. The Irish Times compared you with Jeff Buckley, how do feel, when you hear something like that?

I think, Jeff Buckley is Jeff Buckley. You can’t compare anyone with him. He’s more than a singer, he’s a songwriter and an incredible guitar player. He used to play guitar, before he started being a solo singer. Any person, I could compare in the last ten or fifteen years, would be Nothing But Thieves, the singer of the Band, Conor, he sounds like Jeff Buckley. Especially in the song called “I Get High”. Jeff Buckley inspired so many bands like Queens of the Stone Age with melodies. It’s a lovely thing, when someone compares me to that. I wouldn’t thought that about myself, even though I’m a fan.

HDIYL: So you don’t feel proud or anything else?

No, I seem too pissed of. Who the fuck am I? This guy is a legend, a better guitar player than I am and he was that way longer before he started singing. I started playing the guitar and singing at the same time. I’ve been playing the guitar since I’m eleven years old, but I can’t do the things Jeff Buckley does. In my opinion. He really embers all, when he performs. Maybe I’ll do that and maybe that’s where the comparison is. It’s a nice thing, but listen to my record and then you can compare it.

HDIYL: I listened to your album and I didn’t compare you to Jeff Buckley, because I try not to compare artists with each other.

That’s good!

HDIYL: A couple of years ago, you played “Wanna Be Like You” from the Jungle Book at a radio station competition in Ireland and I wanted to know why. Because it’s one of my favourite songs of my childhood and reminds me of it.

I watched that film every day! I played the song all the time, because so many Irish artists do it as well. About a year ago, I heard a version from Paolo Nutini. When I heard it, I was still playing the song. I never brought it to my live show, but after that I did. Now everyone from Ireland is doing it, like Gavin James, but I watched that movie so many times and I loved it. I learned it on the piano first, my piano teacher at school taught me it in a jazzy way and much slower. He was the best! One day, there was this competition and my mother used to listen to me, when I was playing it on the piano. She texted me about this competition. She’s always listening to the radio and wins every competition like a trip to Ibiza. So weird. She won money, trips and cooking classes. I think you can make a job out of winning radio competitions.

HDIYL: They’ll probably know her now.

Oh yeah, like not “her again”.

HDIYL: How long did you work on your debut album?

In total, writing the songs in the studio took us a week, actually to record the album. Because, we recorded every song live on tape. It’s all live, there are no over dubs. We had one song with over dubs, because the guitar was sick that day, a part of that we did everything live. We rehearsed maybe three weeks. First we went in the studio, we recorded everything separately. The drums, the bass, the guitar… and vocals. We did it for two songs and I didn’t like it. I felt the songs needed to be played live with a band to really get the emotion and the feeling of it. We spent two weeks, I think, in the studio and rehearsing every day. Then we recorded it and that was it. Did the album in a whole week.

HDIYL: Did you already have enough songs or did your start writing new ones whilst in the studio?

I had 200 songs. I played 20 songs for the A&R of the label and I chose five or six of my favourite tunes, that I’ve written. The rest of them were lower level songs, which I’ve written. I didn’t want to show my best songs straight away. Also I took older songs that I wanted to record, when I was 17 years old. So now they’re recorded and the next album will be with newer tunes. On that album there are songs on which are five years old. I had so many and I chose the top six to put on the first album and the rest of them are good, but as good to put them on another album. But I’m writing new songs every week, so there’s no abundance of songs to choose from. Some people just put a first album out with incredible songs and only with pop hits. I don’t want to be a pop star, I want to focus on lyrics a lot. I chose songs with more lyrical stable than having a huge hook.

HDIYL: Talking about your songs. Do you write songs like „Nothing’s Wrong With Loving You“ or “All I Need Is You” for a particular person?

It’s situations. I don’t think there’s a writer who puts his experience into his writing. Like you have to experience something to make a story out of that or have a feeling or been to a place and see something. All my favourite writers, not songwriters, are people who write about what happened to them. They take a story like Jack Kerouac “On The Road”, it’s one of my favourite books. Have you read that?

HDIYL: No.

You should read it, if you like to travel. It’s a good book. He wrote about his experience in the world and he says in the prologue, he just wrote and went on. Nothing was planned. He just did it. It’s the same in my songs. I come up with a melody and have situations or an experience and I built the song around that feeling. The rest of it is maybe a message or something I want to explain. All of that comes from one situation. „Nothing’s Wrong With Loving You“ came from being with a girl and my mates were all angry, that I didn’t spend time with them anymore. That’s how I started the song the rest came from what I’ve been listening to that time. Some Amy Winehouse tracks or Motown. Just incorporated that into the song and tried to send a message with the one idea I had. It’s never about just my personal experience and not trying to send a message. It’s the combination of the two.

HDIYL: I seemed to remember, you mentioned the story behind your new single „Elephant“ at the showcase. Can you tell me the story again? Was it about sex?

A lot of people just go out, they want to meet people and be loved and they want sex. In a bar, it’s not just about sex, it’s about finding someone that is really good and holding on to that.

HDIYL: The person or sex or both?

Both. Sometimes it’s just about the sex, sometimes it’s just about the person.

HDIYL: That’s totally true!

I had a very long fucked up relationship, that didn’t end well. After that I just wanted sex and that was the only song on the record we didn’t do with the band in the studio. When I came back to the studio and played the song, it was more than an upbeat song. I really wanted to record that song, when I wrote it, it was a really aggressive rock song. We popified the shit out of it. I still like it, it’s cool. The original song was never this pop song. I used to play on the street in Berlin under a bridge. A homeless guy watched me. Remember it?

HDIYL: This part I can remember.

The Polish homeless guy watched me, hadn’t enough coins to give me, so he gave me cans of Elephant cider. It was disgusting. Whatever, I used to play Red Hot Chilli Pepper Songs and all of the songs were about sex. He asked me, if I have songs about sex. I already had one, didn’t put it on the album. Next time I played it to him and I figured it out and rearranged it. He was so excited, so I put this song on it for this guy. He seemed so hopeless, when I met him and I think the whole message of this record is, when you’re feeling like an outsider or nobody in a world, you can find your music or your passion in some way. This can give you hope in a way. Sex can do this for you, too.

Does this all makes sense? I’m so shitty in talking today. I’m sorry. So what was the question again?

HDIYL: Well, it was about the story behind “Elephant”, but I would say you actually answered it.

I think, sex is a very important part of love and I have a lot of songs about love, loss and heartbreak. Songs about the best part of being in love, you know? Sex without love is also great, but sex when you’re in love is the best. “Elephant” is about that. Holding on to that feeling of being in love, having sex while being in love. That is sex. When you’re not in love it’s just fucking in my opinion.

HDIYL: You summarised it quite well!

HDIYL: You have some really good acoustic songs like “Go On and Get it for Me” or “Having Breakfast In Amsterdam” on YouTube. Why aren’t they on the album? Do they not fit to the rest of the songs?

No, well..

HDIYL: “Go On and Get it for Me” is one of my favourite songs and I thought there is this one song missing on the track list…

Oh you like that one? We recorded in total 14 songs and on the album there are 11 or 12 on it. We took a few out, because they didn’t fit or whatever. With “Go On and Get it for Me”, I was just in the moment. When I play a song, I’m in the moment. If you’re doing an interview or a live session, normally you plan what song you will play and practice it. For that session, I had another song to do from the record and I just decided to play “Go On and Get it for Me”. I had this beautiful guitar, borrowed from a friend, because I was in Dublin and it fitted the song. It wasn’t on the record, because it wasn’t good enough for it. I probably will release it as a single or something.

HDIYL: Great! You said, it is an Irish rap song. I guess, you have a thing for Hip Hop. There are two great covers of you on YouTube. From Chance The Rapper and Eminem. What song will you cover next?

Yeah, I love Hip Hop and Chance The Rapper.

HDIYL: That Chance The Rapper cover is great!

Thank you!

HDIYL: I didn’t know the original at first and then I listened to it. And the funny thing is, that HONNE recommended me Chance the Rapper in the last interview. I never listened to him, because I forgot it and then I listened to other bands… Then I heard your cover and started listening to Chance and I wanted to hear the original. You did a good job, because both versions sound like an individual song. You know?

What do you prefer?

HDIYL: Well, that’s hard to say. It depends on my mood and I can’t choose.

I’ll always go with the original. In my version, I’m not using the real chords from the song. I’m using chords from a Eminem song called “Infinite” and it’s the most brilliant lyrical song on that mixtape!

HDIYL: Ok, now I have to listen to it again! Especially with that info…

That was the same thing with the “Get it for me” song. On that day, I was meant to play one of my other songs and I just talked to Sebastian, my other guitarist, and asked him, if he can play the chords. I used to sing to the song with my mates at home. We loved it. I love Hip Hop and Rap, I don’t feature it that often in my music, but I will with the next record. The next record will be Soul, Hip Hop and Irish Folk combined with really poppy stuff, I’ve done.

HDIYL: Which song will you cover next?

Yeah, there is Irish group called Hare Squead.

HDIYL: Oh, I know them! Herside Story? (An. d. R. Natürlich haben wir schon über diesen Song geschrieben…)

You know them? That’s the song! I will do that, but I can’t say “Nigga” and it’s said so many times.

HDIYL: Really looking forward to that!! Maybe you have to find someone, who is saying that word every time?

I was thinking about that! I have friends, who are Rappers, maybe I’ll ask them. Just for this one word. Or I will cover Anderson.Paak with “Parking Lot”. Do you know it?

HDIYL: No, not that song. You’re learning German and at the showcase you told, you can say “Ich bin die Naschkatze” in German. Have you learned some new words? Do you want to end the interview with a German sentence?

I was driving to London, the traffic there is crazy! It was the rush hour and I was losing my shit and I decided, last minute, to turn around a corner and then a truck caught me off and I break down all of a sudden. The car just shut down. How do you call that in German?

HDIYL: Abgewürgt?

I said: Oh mist, schon wieder abgewürgt! That’s my new one.

HDIYL: Really good! Finally coming now the last question: What’s your favourite song or album at the moment?

My favourite song at the moment is Slow Club with “Tears of Joy” and favourite album right now is, I don’t know. There hasn’t been an album. Mac DeMarcos new album is good. Liked it. There hasn’t been a major album that came out, that was holy shit since Tame Impala.

Thanks again to Sion Hill for this very nice chat!

Hossa – das war ein langes Interview. Respekt an alle, die es sich durchgelesen haben und danke dafür! Der Release steht unmittelbar bevor und „Elephant“ ist bereit in die große weite Welt hinausgelassen zu werden.

Das Album ist an manchen Stellen poppig, vielleicht ein wenig zu poppig, doch in Kombination mit den restlichen Titeln gleicht es sich wieder aus. „Elephant“ kann man zu den verschiedensten Gelegenheiten hören, ich habe das schon getestet und deswegen: Hört es euch an und vor allem, schaut euch Sion Hill auf der Bühne an! Männer in Anzügen schaut man sich ja eh gerne an und wenn die Musik dazu noch so gut ist, was will man mehr?

PS: Man munkelt, dass er auf dem Nürnberg.Pop Festival spielen wird…

www.facebook.com/sionhillofficial

/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Michael Sessinghaus /

Roosevelt_HDIYL

Gefragt: Roosevelt

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es erst vergangene Woche passiert. Es muss letztes Jahr um die Zeit gewesen sein, als Roosevelt bei mir auftauchte. Jetzt nicht wortwörtlich, aber ich hörte zum ersten Mal diesen Namen. Alle schwärmten von diesem Roosevelt. Es musste ein Jahr und ein Auftritt auf dem Slow Down Festival vergehen, bis ich diese Schwärmerei verstand.

Am Freitag erschien das langersehnte Debütalbum und hier trifft die Aussage wirklich zu. Wie passend, dass der gute Herr Zeit für eine Handvoll Fragen hatte und uns Rede und Antwort stand.

HDIYL: Auf den ersten Blick ist klar, dass Roosevelt keine Band, sondern eine Person ist. Live bist du noch mit einem Schlagzeuger und einem Bassisten unterwegs. Könntest du dir vorstellen, dass du in Zukunft das Miteinander von der Bühne auch in die Produktion holst und es sich in die Band Richtung entwickelt oder ist Roosevelt deine Kunstfigur, mit der du dich musikalisch ausreichend austoben kannst?

Roosevelt: Der Sinn von Roosevelt war schon immer, dass ich mich im Studio ausprobieren kann und alle Entscheidungen alleine treffe – deswegen wird es auch weiterhin nur live als Band umgesetzt sein.

HDIYL: Wenn du dein Debütalbum als Bild beschreiben müsstest, wie sähe das aus?

Roosevelt: David Hockney – A Bigger Splash
Tatsächlich hängt ein kleiner Druck dieses Bildes in meinem Studio.

HDIYL: Du wirst von der englischen Musikpresse hoch gelobt und auch hierzulande mangelt es dir nicht an Lob. Baute sich während der Produktion am Album Druck bei dir auf, etwas Adäquates nachzuliefern, das wieder alle loben werden?

Roosevelt: Es motiviert mich eher, das bestmöglichste Album zu produzieren. Druck mache ich mir wenn dann selber, unabhängig von einer möglichen Erwartungshaltung.

HDIYL: Wenn man sich durch deine bisher gespielten Gigs und die kommenden liest, bist du ganz schön umtriebig. Gibt es da noch einen Ort oder eine Venue, wo du noch spielen möchtest?

Roosevelt: Wir waren zum Beispiel noch nie in Japan, China, Australien, Mexiko, Chile, Argentinien, Kolumbien, Russland. Es gibt also noch recht viel zu erforschen.

HDIYL: Bei der Intro heißt es so schön, dass GOLF und Roosevelt im Geiste Brüder sind. Dazu habt ihr beide mit Fabian Podeszwa an Musikvideos gearbeitet. Was verbindet euch noch?

Roosevelt: Wir sind einfach alle total jut drupp. Und wahrscheinlich gegenseitig Fans?

HDIYL: Kommen wir zur letzten Frage: Was ist dein momentanes Lieblingslied bzw. Album?

Roosevelt: Air – Air (1971)

Das selbstbetitelte Album ist gemacht, um es am Stück durch zu hören. Wenn die Titel durcheinander gehört werden, passt es zwar und sie funktionieren auch einzeln. Doch das Gesamtkonstrukt klingt besser. Es hat schon seinen Grund, warum die Tracklist so aufgebaut ist. Roosevelt meinte selbst, dass er sich darüber viele Gedanken gemacht hat, damit alles stimmig klingt.

Lustigerweise hatte ich ähnliche Bilder im Kopf, wie Roosevelt. Wenn ich das Debüt höre, denke ich an Sommer, an einen Pool, am Rande steht vielleicht ein Flamingo und alles leuchtet in den schrillen Farben der 80er. „Belong“ könnte auch der Titeltrack zu einer Agentenserie aus den 80er sein – würde 1a passen. Es ist aber wahrlich kein Album, das man zeitweise hört und dann wieder im digitalen Plattenschrank nach hinten wandert. Nö, das ist es nicht und da bin ich mir sicher, man kann es immer hören, ob Sommer oder Winter, ob Tag oder Nacht. In Dauerschleife laufen die Lieder bei mir schon und die Favoriten wechseln täglich.

Diese Schwärmerei der anderen hat auf mich abgefärbt. Weil er es schafft, diese tanzbaren Songs zu schreiben und zu produzieren, die ihren Pepp haben und dennoch nicht zu aufgedreht klingen.

Roosevelt find ich dufte!

www.iamroosevelt.com
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/ Text: Matilda Pfeil / Bild: Brian Vu /