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Konzertbericht: AnnenMayKantereit

Ein ausverkauftes Konzert und wir mittendrin! Hier unser doppelter Nachbericht:

SIMON

„Und ich sitz schon wieder Barfuß am Klavier, ich träume Liebeslieder und sing dabei von Dir“

Innerhalb eines Jahres von Straßenmusikern über Auftritte in kleineren Clubs und bei kleinen Festivals bis hin zur Vorband für die Beatsteaks und Clueso – das können nicht viele von sich behaupten. AnnenMayKantereit können es. 2014 spielten sie noch im Club Stereo und auf dem Weinturm Festival, 2015 stehen für sie Auftritte bei Rock im Park und dem Taubertal Festival bereit.

Dass sie auch vor größerem Publikum spielen könnnen, haben sie am 20. Februar eindrucksvoll in Erlangen bewiesen.
Der Saal des E-Werks war bis auf den letzten Platz ausverkauft und das obwohl die Jungs bislang nur ein Album vorweisen können – und dieses gibt es nicht mal mehr zu kaufen.

Ihre aktuelle EP wurde via Crowdfunding finanziert und befindet sich aktuell in der Auslieferungsphase.

Beim Konzert wurden sie, wie auch schon 2014 im Club Stereo, von den Berlinern Von wegen Lisbeth als Vorband begleitet. Diese begeisterten das Publikum mit ihrem humorigen Indie, welcher durch die Verwendung von außergewöhnlichen Instrumenten wie einem Wok oder Kinderglockenspielen relativ einzigartig ist. Es kommt selten vor, dass bereits bei der Vorband Zugaben gefordert werden, aber an diesem Freitag war es so.

Nach einer kurzen Umbaupause betraten die drei Namensgeber, Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und ihr Live-Mitglied Bassist Malte Huck die Bühne und legten direkt los.

Immer getragen von der markanten Stimme von Henning May versetzten sie die Menge sofort in Begeisterung. Jedes Lied wurde mit frenetischem Applaus gefeiert. Es wurde getanzt, gesungen, andächtig gelauscht und gefeiert.

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In ihr Set waren mehrere sogenannte „Impros“ eingebaut, bei denen laut Sänger Henning ein paar Ankerpunkte für jedes Bandmitglied vorhanden sind, der Rest aber einfach nur improvisiert wird. Hier wurde sich unter anderem über die heutige Konzertkultur ausgelassen, alles mit dem Smartphone zu filmen und nie mehr anzuschauen, während des Konzerts auf Facebook zu posten, usw.

(Wir möchten uns in aller Form für unseren Facebook-Post auf www.facebook.com/howdeepisyourlove.nfe zu Beginn des Konzerts entschuldigen!)

Der Forderung eines weiblichen Fans, doch seine Schuhe auszuziehen und sich ans Klavier zu setzen, eine Anspielung auf den größten Hit der Jungs „Barfuß am Klavier“, wurde mit einem ironischen „Musikwünsche erfüllen wir grundsätzlich nicht“ begegnet. Als sich Henning ein paar Minuten später tatsächlich ans Klavier setzte und anfing „Oft Gefragt“ zu spielen kommentierte er es nur mit einem „habt ihr wohl gedacht …“

Gerade diese Interaktionen mit dem Publikum und die ehrliche Begeisterung über ein ausverkauftes Haus zeigen, dass die Jungs trotz ihres unglaublichen Aufstiegs immer noch sympathisch und auf dem Boden geblieben sind.

Als dann als Zugabe endlich „Barfuß am Klavier“ gespielt wurde und alle aus vollem Halse mitsangen war klar, dass die Messlatte für die Konzertsaison 2015 bereits zu Beginn relativ hochgelegt wurde.

Zu den Klängen von „21, 22, 23″ endete schließlich das Konzert und kurz darauf drängte sich gefühlt das halbe Publikum am Merchandise-Stand, um die beiden Bands auch finanziell zu unterstützen.

MATILDA

Die drei Nachnamen Annen, May und Kantereit – zusammen AnnenMayKantereit sind mir vor dem Konzert schon mehrmals über den Weg gelaufen. Erst als ich die erste Folge der neuen Startrampe Staffel mit ihnen und unter anderem James Hersey (bei uns im 5 Fragen an Interview) gesehen habe, wurde mir bewusst, wie gut doch ihre Musik klingt und wie sympathisch sie doch sind.

In der ersten Folge treten sie gegen ihre Vorband Von wegen Lisbeth in verschiedenen Kategorien an. Der Verlierer muss bei einem Konzert in Sportklamotten auf der Bühne stehen. Umso gespannter war ich dann, in welchen Klamotten Von wegen Lisbeth auf der Bühne stehen würden. Es waren leider nicht die Sportklamotten.

Auch egal, ging ja um die Musik, nicht um die Klamotten. Ich war von beiden Bands sehr überrascht und habe mit einem Staunen das Konzert verlassen. Von AnnenMayKantereit kannte ich bereist ein paar Lieder und bin bis heute noch von Hennings Stimme beeindruckt! Für alle, die es interessiert: Er musste keine Nächte lang trinken und rauchen, um diese Stimme zu kriegen. Faszinierend, wenn man ihn so auf der Bühne sieht. Er wirkt so schlaksig und unbeeindruckt von alledem. Überhaupt wirkt die Band super sympathisch. Sie stehen da auf der Bühne, spielen ihre Lieder, manche davon sind schon fertig und andere noch in Arbeit, werden auf der Bühne erprobt. So ist fast jedes Konzert einzigartig, weil jedes dieser Lieder anders klingen kann. Sie spielen mit den Worten, egal ob auf Englisch oder Deutsch und schaffen es, dass man nicht still stehen bleiben kann.

Von wegen Lisbeth sind einer dieser Vorbands gewesen, bei denen man die Zeit vollkommen vergessen hat und erstaunt war, als sie ihr letztes Lied gespielt haben. Schade eigentlich, denn ich bin selten von einer Vorband so angetan wie bei ihnen. Die sechs aus Berlin wechselten untereinander die Instrumente, spielten auf einem Wok und erzählten, dass sie auf ihrem Weg nach Erlangen von der Polizei nach Sprengstoff durchsucht wurden. Ihre Musik war so schön unbeschwert und tanzbar.

Das ganze Konzert war wie ein Wohnzimmerkonzert, vielleicht lag es auch an den Stehlampen auf der Bühne, nur in einem sehr großen Wohnzimmer mit vielen Menschen. Sowas hab ich gerne, die kleinen intimen Konzerte. Wenn einer der Bands oder beide sich demnächst mal wieder die Ehre erweisen und in der Gegend spielen, dann werde ich da bestimmt im Publikum zu finden sein. Ein grandioser Abend war das! Kein Wunder eigentlich, dass das auch ausverkauft war …


www.annenmaykantereit.com
www.vonwegenlisbeth.de

/ Text: Simon Strauss & Matilda Pfeil/ Bilder: Simon Strauss /