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Konzertbericht: Bernadette La Hengst

Sauber eins aufgespielt hat am vergangenen Donnerstag im Stadtteilzentrum Desi eine nicht mehr ganz so junge Dame namens „Bernadette La Hengst“.

Nur: So sehr sie sich auch mühte, so sehr auch verschiedentlich der ein oder andere Ausdruckstanz aufs Zuschauerparkett gelegt wurde – man kam nicht umhin den Eindruck zu gewinnen, die meisten der durchaus reichlich anwesenden Gasthörer seien eigentlich aus einem ganz anderen Beweggrund ins Johannis gereist. Die für den selben Abend angekündigten „Aeronauten“ zu besichtigen, nämlich. Die Schweizer Kapelle, von der man bis zuletzt nicht sicher sein konnte, ob sie nun gemeinsam mit der Berliner Hengstin auf der Bühne zu stehen gedachte, als After-Show-Act geplant war oder den eigentlichen Hauptauftritt zu bestreiten habe, machte sich jedoch für rund zwei Stunden vornehmlich dadurch bemerkbar, dass sie ihre zahlreichen Instrumente die Bühne dekorierten, auf der Bernadette La Hengst munter vor sich hin präsentierte.

Ihr neues Album „Save the world with this melody“ in erster Linie, darüber hinaus aber eine wilde Entschlossenheit zur Weltrettung in ungefähr jedem zu rettenden Bereich. Der Nebenmann im Publikum dann auch so: „Das ist alles so betroffen, das nervt.“ Um sich davon irritieren zu lassen, müsste man aber die Texte verstanden haben können, was zuweilen schwierig, aber nicht weiter störend war, konnte man sich so doch ganz auf die Musik konzentrieren. Die kam von einem Schlagzeug und einer E- und Akkustikgitarre sowie 17 weiteren unsichtbaren – wüsste man’s nicht besser, so hätte man meinen können, die Aeronauten geisterspielten unsichtbar mit. Taten sie aber nicht, sondern erklommen zwischendurch mal die Bühne für ein Trio mit der Bernadette, die als Theaterregisseurin nicht minder umtriebig ist als als Hans Dampf in allen Musikgassen – sechs Alben Solo, dazu diverse weitere beispielsweise mit Gnarf Rellöm und Guz als „Die Zukunft“ oder in Kooperation mit Fettes Brot oder Fiva.

So breitbandig ist dann auch ihre eigene Darbietung. Mal rockig, mal irgendwie soulig, meistens elektronisch, meistens sehr melodiös, irgendwie immer in die Knie gehend wirbelt die 1967 im Nordrheinwestfälischen geborene als Silberschweif über die Bühne, singt Liebeslieder aus der Sicht eines Mannes aus Mali, der auf der Flucht seine Frau zurücklassen musste, singt arabisch, deutsch und englisch, domptiert die Crowd als bedingungslose Chorleiterin zur Lust am Verlust, schraubt am Apple und am Synthie, lässt die Hamburgerin Finna vom Band „Komm immer näher rappen“ und erkennt, dass ein einstiges städtepolitisches Theaterlied auch heute ganz gut passt: „Solange wir gefüttert sind, gibt’s keine Proteste“. Solange die „Aeronauten“ später irgendwann noch auf die Bühne durften, auch nicht.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Christiane Stephan //