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Konzertbericht: NOFX

Punk’s not dead,

aber Punk hat jetzt nen Job. Das Publikum beim NOFX-Gig im Hirsch war deutlich in die Jahre gekommen. Die Skatepunks von damals sind jetzt Schuhverkäufer, Assistent der Geschäftsführung, oder machen irgendwas mit Medien. Die Frisuren sind weniger bunt, dafür manchmal grau schattiert, die Iros wichen Kurzhaarschnitten, aber die Liebe zum Punk, die blieb. Die Jungs von NOFX sind ja mittlerweile auch nicht mehr die Jüngsten und Fat Mike sogar angeblich trocken. Was wurde nur aus dem selbstzerstörerischen Punkerdasein?

Dass Punksein mehr ist, als besoffen am Bahnhof rumzulungern und Leute um Kleingeld anzuschnorren, das konnte man an diesem Abend sehr gut beobachten. Da wurde auf’s Alter geschissen und ordentlich einer abgepogt.

Der Schweiß klebte an wirklich jedem Besucher, das lag aber auch daran, dass der Hirsch bis auf den letzten Platz ausverkauft war und das Gedränge entsprechend groß.

Bei der Vorband „The Prosecution“ hatte man noch bequem Platz und konnte das Konzert der Abensberger Skacore-Truppe genießen. Die Jungs sind übrigens wirklich empfehlenswert!

In der Pause strömte aber alles, was sich noch im Außenbereich des Hirschs tummelte, in den Saal und füllte diesen bis zum Rand. Irgendwann war es so weit, dass ich nichts mehr von der Bühne sah, sondern nur noch Musik hörte. Auch mal eine neue Erfahrung bei einem Konzert.

Was ich währenddessen mitbekam war, dass NOFX ihr Konzert mit dem Klassiker aller Klassiker „Kill all the white men“ begannen, aber nicht ohne eine Verspätung, weil Fat Mike zu spät auf die Bühne kam.

Nach einiger Zeit lichteten sich die hinteren Reihen, möglicherweise auf Kosten einer Verdichtung der vorderen Reihen, aber nun konnte man wenigstens was vom Konzert mitbekommen. Die Band hatte sichtlich Spaß und haute einen Song nach dem anderen raus: Sogar Wünsche aus dem Publikum wurden akzeptiert. Ein „eigens für Nürnberg“ geschriebener Song wurde intoniert und eine 1000€ Spende für eine Klimaanlage im Hirsch angekündigt.

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Als zwischenzeitlich die Technik ausfiel, wurde auch das humorvoll überbrückt. Allgemein machten sie einen wesentlich fitteren Eindruck als noch vor 3 Jahren. Das übliche Beleidigen des Publikums wurde natürlich beibehalten: „You have a beard and long hair, girls don’t like you!“
Auch die Zugabe wurde im Vorfeld mit den Worten „We’re going over there and after a while we’re coming back over here.“ angekündigt, weshalb man natürlich vor Ort blieb, um sich das restliche Spektakel zu gönnen.

Nach satten 75 Minuten war er dann aber doch vorbei, der Beweis, dass Punk noch lange nicht tot ist, aber vielleicht mittlerweile erwachsen, mit Frau und Kind und ‚ner Eigentumswohnung.

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/ Text: Simon Strauss / Bild: Judith Vogel /