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Nachbericht: Veggienale

Vergangenes Wochenende fand auf AEG zum ersten Mal die Veggienale in Nürnberg statt, die – kombiniert mit der fairgoods – einen Rundumblick in Sachen gesunder Lebensstil geben wollte. Im Prinzip landete man nach Betreten der Halle 15 – mit wenigen Ausnahmen – auf einer Verkaufsveranstaltung. Aber von vorne:

Gesundes Essen und ein nachhaltiger Lebensstil sind schwer angesagt dieser Tage. Die Anzahl der Menschen die Produkte beim Einkaufen hinterfragen und eine vegetarische oder vegane Ernährung bevorzugen, nimmt stetig zu. Der erste verpackungsfreie Supermarkt in Nürnberg steht nach erfolgreichem Crowdfunding in den Startlöchern, Bamberg und Würzburg legen dieser Tage nach. Immer mehr Restaurants bieten eine größere Auswahl an fleischlosen Alternativen fern von Fertig-Bratlingen, Tiefkühlgemüse oder Nudeln mit Soße. Keine Frage, das ist gut so.

Die Veggienale als Sammelbecken der Nachhaltigkeit konzentriert Trends und Angebote im deutschsprachigen Raum und stellt sie an verschiedenen Standtorten vor. Nürnberg war zum ersten Mal Schauplatz. Die Neugierde war groß.

Es begann an der Kasse. 8,- Euro Eintritt waren zu löhnen. Dafür bekam man aber nicht etwa einen Gutschein, den man an einem der Stände einlösen konnte. Sondern man bekam einen Stempel. Der glitzerte ein wenig in den Sonnenstrahlen, die einen von hinten noch anstrahlten.

Diesen Sonnen-Glitzer noch im Nacken, lief man direkt auf die Cucina Italia zu. Spiralschneider und Zitronenpressen wurden hier angeboten. Das dazugehörige Verkaufsgespräch hätte auch im Fernsehen beim Teleshoping-Kanal stattfinden können. Aber live ist ja nachhaltig(er). Schnell weiter.

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Es folgten Stände von zum Beispiel der Tierschutzpartei, einem alternativen Energie-Drink ohne Gummibärchen-Geschmack, Anbietern von alternativer Energie, Firmen deren Produkte unser (eh schon gutes Trinkwasser?!) noch besser, Kalkfrei und Chemikalienfrei machen sollten, (Umwelt)Banken, Schneidebretter die zwar toll aussahen aber auch toll kosteten (ab 300,- aufwärts), Naturkosmetik die nach Zitrone rochen, …

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Sogar ein Massagegerät wurde feilgeboten. Donnerberg hieß es und basiert laut Hersteller auf der Shiatsu-Massage. Nachdem es bisher nur was zum Gucken, aber so gut wie nix zum Probieren gab, endlich was Test-williges. Mit nettem Verkaufspersonal, dem es auch nichts ausmachte, das man nach einer tatsächlich wohltuenden Nackenmassage keinen Donnerberg, den man sich im Prinzip einfach umlegt und durch Veränderung der Handposition die Lage und die zu massierenden Stellen verändert, mitnahm. Aber einen Prospekt gab es noch, der darauf hinweist, dass das Produkt patentiert und vom olympischen Sportbund empfohlen ist.

Diese kurze Massage leitete einen kurzen Wendepunkt des Veggienale-Besuchs ein. Denn eine Umdrehung weiter bot der Stand des Fleisch-Ersatz-Big-Players Wheaty endlich mal was zum Probieren ohne Verkaufsgespräch. Von Rosmarin Roulade über Alm Knacker bis Vegankebab ist das Sortiment groß. Und teilweise schmecken die Produkte durchaus lecker. Ein Tipp: Die Chorizo Bratwurst kann richtig was. Allerdings sollte man beim Verzehr nicht an eine Wurst denken, sondern das nach bestem Gewissen neutral einordnen. Dann schmeckts quasi ein wenig besser, autarker.

Direkt eines weiter die GeNUSS Manufaktur Eisblümerl aus Lauterhofen (knapp 50km von Nürnberg), bei der man ziemlich leckere Aufstriche von Mandelmus über Haselnuss Dattel (Tipp!) bis Nougat probieren konnte.

Das war es dann aber auch schon mit der Probierabteilung, es folgte die Klamottenabteilung mit teils echt teuren, teils aber auch schönen und teils freakigen Produkten „mit Haltung“.

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Und es gab einen kleinen Stand, an dem Jute-Taschen (oder so was ähnliches) dargeboten wurden. Die sehr nette, aber auch sehr unbeholfene Verkäuferin zeigte sich allerdings derart erschüttert darüber, dass man im Ebel heutzutage Champignons und Tomaten einzeln kaufen und auch in seine mitgebrachte (Jute)Tasche legen kann, dass ihr so richtig kein weiteres verkaufsförderndes Argument einfiel. Ein guter Anknüpfpunkt für ihren Ausbilder, falls hier nicht digital geschult wurde was man aber eigentlich nicht machen sollte wegen Nachhaltigkeit und so. Oder?

Ach ja, Vorträge und Seminare gab es auch, aber dazu war die Lust irgendwie doch zu klein. Und der Hunger zu groß. Es gab einen Essensbereich auf der Veggienale. Aber die Preise waren schon eher deftig, der Lust-Faktor hierfür zu niedrig. Irgendwie wäre es schön gewesen, zum Probierpreis zu kosten. Oder sich eben einen Teil des Eintrittsgeldes verrechnen lassen zu können. Pizza Calzone? Echt nicht, nicht hier.

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Kurz vor dem Ausgang aber doch noch ein Höhepunkt: der Stand von Ice Date, einer veganen Eismanufaktur. Das „Probier-Schiff“ mit 7 verschiedenen Sorten für etwas über 4,- Euro wurde aber mit raus genommen. Wie eingangs geschildert, die Sonnenstrahlen glitzerten so schön. Die erste Nürnberger Veggienale derweil war, kaum saß man draußen und probierte sich durch Mango-Sorbet, Dark Chocolate oder Mandel Vanille, eigentlich schon wieder ver-glitzert.

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Fazit: Gute Idee, netter Versuch, einiges schief gelaufen. So schafft man es sicherlich, den eh schon Interessierten halbwegs gerecht zu werden. Aber die neugierigen Menschen von morgen und übermorgen werden durch überteuerte Preise von Einlass bis Auslass und kaum Möglichkeiten, auch mal was zu probieren, eher verschreckt.

// Text & Bilder: Guesswhoisbad //