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Nachbericht: Dockville 2016

Wir haben Zuwachs bekommen! Ab jetzt wird uns Nicole Freier in unregelmässigen Abständen mit Konzertberichten und mehr erfreuen. Willkommen im besten Team der Stadt! Ihren ersten Artikel hat sie gleich mal über das fabelhafte Dockville Festival verfasst, das am letzten Wochenende in Hamburg stattfand:

Auch wenn es nicht grade einen Katzensprung vom schönen Frankenland entfernt stattfindet, ist das MS Dockville Festival in Hamburg eine alljährliche Pflichtveranstaltung für mich. Man merkt einfach so sehr, dass das Festival mit viel Liebe und Hingebung organisiert wird, das Line-Up ist immer interessant und die Leute sind einfach entspannt. Dafür nehme ich die lange Reise gen Norden gerne auf mich. In diesem Jahr feierte das Dockville außerdem sein zehnjähriges Bestehen. Herzlichen Glückwunsch und auf viele weitere Jahre! Ich als absoluter Musik-Nerd habe mir natürlich vor dem Festival jede Band angehört und einen genauen Zeitplan mit den vielversprechendsten Acts erstellt. Was dabei rausgekommen ist, lest ihr in diesem Festivalbericht.

Freitag:

15:30 Uhr: U3000
Wir betreten das Festivalgelände und lassen uns unvoreingenommen treiben. Bei U3000 bleiben wir als erstes hängen. Die Berliner Jungs sorgen mit tanzbaren deutschsprachigen Songs für Stimmung. Eine Band, die es sich lohnt, live zu sehen. Eindeutige Empfehlung!

17:30 Uhr: Lola Marsh
Als nächstes verschlägt es uns zu Lola Marsh. Die hippiemäßig anmutende Band aus Tel Aviv macht entspannten Indie-Pop, den man sich sehr gut anhören kann. Stimmlich ziemlich interessant. Klingt ein wenig wie eine minder pompöse Version von Lana Del Rey, was nicht negativ gemeint ist. Eine Band, die man sich live mit Sonnenbrille auf der Nase und Bier in der Hand auch gut im Sitzen anschauen kann.

18:10 Uhr: Matt Corby
Ich muss gestehen, ich bin keine Expertin für Matt Corby. Mehr als die zwei bekanntesten Lieder konnten mich bei meiner Vorrecherche nicht wirklich überzeugen. Vergleichbar gestaltet es sich auch bei der Live-Performance. Nette Musik für entspannte Grillabende oder ähnliches, aber mehr dann eben irgendwie auch nicht. Live nicht unbedingt mein Ding, auch wenn der Typ sehr sympathisch rüber kommt.

19:30 Uhr: The Neighbourhood
Auf The Neighbourhood habe ich mich von Anfang an am meisten gefreut. Mein Fangirl-Herz schlug höher, als ich erfahren habe, dass sie auf dem Dockville spielen würden. Leider eine totale Enttäuschung. Es fängt schon damit an, dass die Band das Publikum eine halbe Stunde warten lässt und sich ihr Auftritt dadurch auf magere 20 Minuten verkürzt. Frontmann Jesse Rutherford setzt eher auf Show als auf Gesang und das äußert sich in der Qualität des Auftritts. Musikalisch sicherlich nicht schlecht, aber ich hatte mir deutlich mehr erhofft. Live leider kein Vergleich zu den Studioversionen der Songs!

20:50 Uhr: Milky Chance
Weiter gehts mit Milk Chance. Als gebürtige Kasselerin ist es wahrscheinlich eine Schande, dass ich meine Homeboys von Milky Chance bisher noch nie live gesehen habe. Irgendwie konnte ich den Hype um die Band aber nie richtig nachvollziehen und habe auch aus allen Ecken immer nur Schlechtes über Konzerte der Jungs gehört. Aber ok, da der Timetable zeitgleich nichts besseres hergibt, kämpfen wir uns durch die Massen von Menschen vor zu Milky Chance. Ich muss sagen: Super! Sowohl die Musik als auch die Stimmung im Publikum sind mein bisheriges Highlight des ersten Festival-Tages.

22:30 Uhr: Bastille
Wie zu erwarten war, kann Bastille da aber locker mithalten. Frontmann Dan Smith heizt dem Publikum ordentlich ein, springt und tanzt auf der Bühne umher, ohne dass es der Qualität seiner Singstimme einen Abbruch tut (Schneid dir da man eine Scheibe ab, Jesse) und ist dabei auch noch sympathisch ohne Ende. Ein gelungener Abschluss-Act für den Dockville-Freitag. Sehr gut, gerne wieder.

Samstag:

15:40 Uhr: Kytes
Der Samstag startet für uns mit Kytes. Die Münchner Jungs haben Spaß auf der Bühne und das merkt man auch im Publikum. Die Stimmung ist gut, trotzdem ist das nicht meine Musik. Kann man machen, muss man aber nicht. Da geht noch was.

17:00 Uhr: L’Aupaire
Zwangsweise schaue ich mir anschließend das Konzert von L’Aupaire an. Ähnliche Situation wie bei Kytes. Musikalisch nicht schlecht, aber einfach nicht mein Ding. Irgendwie lahm. In Gedanken bin ich schon beim nächsten Act.

19:10 Uhr: Honne
Als nächstes steht Honne auf dem Plan. Die Londoner mischen Elektro und Soul miteinander und es kommt sehr coole Musik dabei heraus. Die Sonne scheint und alle lassen sich mitreißen mit diesem interessanten Duo. Wir bleiben trotzdem nicht ganz bis zum Ende, um noch schnell einen Eindruck von Aurora gewinnen zu können.

19:40 Uhr: Aurora
Wir schaffen es nur noch zu den letzten zwei Liedern, bei welchen es sich natürlich um ihre Hits handelt. Dass so viel Stimme aus so einem kleinen zarten Mädchen kommen kann, ist wirklich verblüffend. Aurora versprüht unglaublich viel positive Energie, tanzt auf der Bühne umher und steckt das Publikum an. Es hätte sich sicherlich gelohnt, die ganze Show anzusehen. Beim nächsten mal dann.

21:00 Uhr: Crystal Fighters
Es geht weiter zu Crystal Fighters. Schon mal live gesehen und für gut befunden. Allerdings damals von zu weit weg. Diesmal stehe ich näher an der Bühne und will tanzen. Pogen zu Crystal Fighters? Das geht!

22:50 Uhr: Bilderbuch
Es schlagen sicherlich einige Leute die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie lesen müssen, dass bei einem zeitgleichen Konzert von den Foals und Bilderbuch die Wahl auf Bilderbuch gefallen ist. Ich finde aber die Liveshows von Bilderbuch einfach unschlagbar und so bahnen wir uns für das letzte Konzert des Tages den Weg zum Vorschot. Die Wiener Buben liefern wie immer ab und entlassen ihr Publikum nach einem gelungenen Auftritt verschwitzt und glücklich in die Nacht.

Sonntag:

15:30 Uhr: Graham Candy
Der erste Act des Sonntags ist für mich persönliche die größte Überraschung des diesjährigen Dockvilles. Im positiven Sinne. Graham Candy hat mich vorher nie überzeugt, sein Hit „She moves“ gefiel mir nicht und darum hatte ich auch nie das Bedürfnis, mich weiter mit seiner Musik auseinander zu setzen. Aber ich werde bei seinem Konzert trotz Regenschauer und Wind eines Besseren belehrt. Der kleine Kerl mit der außergewöhnlichen Stimme geht auf der Bühne ganz schön ab. Live wirklich großartig.

16:40 Uhr: Gloria
Als nächstes landen wir zufällig bei Gloria. Was soll ich sagen. Nee, Klaas. Mach mal lieber weiter Unterhaltungsfernsehen. Für mich ein klarer Fall von der Sänger ist eine Person des Öffentlichen Lebens und deshalb ist die Band erfolgreich. Schnell weg da.

17:40 Uhr: Elias
Es geht weiter zu Elias. Auf die Band aus Schweden habe ich mich schon gefreut und das nicht umsonst. Tiefe Stimmen und schwere Bässe erfüllen den Maschinenraum und ich bin selig. Allerdings überschneidet sich Elias stark mit Half Moon Run. Wir wechseln die Location zum Großschot.

18:00 Uhr: Half Moon Run
Diese Entscheidung bereue ich leider schnell. Half Moon Run holen mich live einfach nicht ab. Ich habe das Gefühl, ich bin nicht die einzige, der es so geht. Das Publikum ist unruhig, alle scheinen auf den Hit zu warten. Aber auch „Full Circle“ überzeugt mich leider nicht. Die Musik plänkelt so vor sich hin und ich sinniere lieber darüber, was ich später essen werde. Schade!

19:00 Uhr: Isolation Berlin
Danach gehts weiter zu Isolation Berlin. Oder wie ich zuvor jemanden sagen hörte: Isolation (englisch ausgesprochen) Hamburg. Nah dran. Gleich als zweites Lied spielen sie meinen persönlichen Favoriten „Annabelle“ und ich bin sofort von ihrer Live-Qualität überzeugt. Die Songs schwanken zwischen Euphorie und Selbstmitleid und das Publikum lässt sich mitreißen. Leider kann ich das Konzert nicht zu Ende gucken, weil ich zu Frittenbude will.

19:30 Uhr: Frittenbude
Am Großschot ist es schon ganz schön voll. Ich dränge mich vor zu Freunden und es geht los. Ich kenne kaum was von den neuen Songs, habe Frittenbude aber in jüngeren Jahren viel gehört und sie bisher noch nie live gesehen. Also ein Muss. Das Konzert ist eine reisen Party, alle haben sich lieb und hassen gemeinsam die Schattenseiten Deutschlands. Wie das halt bei Bands, die bei Audiolith unter Vertrag sind, so ist. Gefällt jedenfalls.

21:00 Uhr: K.I.Z.
K.I.Z. ist für mich die letzet Band des Sonntags und somit des gesamten Festivals. Ich habe sie schon mal live gesehen und weiß: Wer Angst vor Pogen und extremem Gedränge hat, sollte zusehen, dass er sich bei einem K.I.Z.-Konzert nicht vor dem ersten Wellenbrecher befindet. Aber ich bin ja hart gesotten und kann bei bisschen Geschubse gut ab. Schon beim ersten Lied fliehen aber die meisten Mädels panisch aus der Menge. Die Show ist gut und es herrscht Abrissstimmung im Publikum. Ein gelungener Abschluss für das Festival.

Danke, liebes Dockville Festival. Bis nächstes Jahr!

Hinrich Carstensen

/ Text: Nicole Freier / Bild: Hinrich Carstensen /