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Nachbericht: Melt! Festival 2015

Wenn der Name zum Programm wird und das in vielerlei Hinsicht …

Freitag:
„O je ist das heiß! Wenn das das ganze Wochenende so bleibt wird‘s interessant.“ Das war mit mein erster Gedanke, als ich zum Melt gefahren bin. Ich wollte ungern das angenehm klimatisierte Auto verlassen, aber bei diesem Aufgebot an Bands konnte ich nicht im Auto bleiben. Also raus in die Hitze!

Schon vorher wurde mir gesagt, dass man sich leicht auf dem Gelände verlaufen kann, und das ist mir das ganze Wochenende ein paar Mal passiert. Ich dachte bis jetzt, ich hätte einen guten Orientierungssinn. Shuttel Bus verpasst, keine Lust zu Warten, also laufe ich los in Richtung Musik, kann ja nicht so weit sein … Volle Kanne unterschätz!. Nach meiner Wanderung war ich endlich da, erblickte das Intro Zelt und was hörte ich? Meine MABADEMO Wyoming! So kann es losgehen! Rein ins Zelt und noch die letzten Lieder hören! Ich kann über die Jungs nicht schreiben, ohne in eine Schwärmerei zu verfallen. Wer sie sich immer noch nicht angehört hat, soll das bitte schleunigst nachholen. Das zweite Album wartet darauf, veröffentlicht zu werden, und ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich schon darauf gespannt bin! Ich habe sie am Samstag auch gleich mit meinen Fragen zum Album gelöchert, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Nach Wyoming betrat L’aupaire die Bühne. Ich war sehr neugierig, da ich seine Musik davor gar nicht kannte und ich mich so schon mal auf das Interview mit ihm vorbereiten konnte. Sein Wiedererkennungsmerkmal: seine Stimme! Etwas Verruchtes und Sanftes, dazu eine Gitarre und Schlagzeug und fertig ist die Musik von L’aupaire. Nein, so einfach ist es nicht. Live kommen da noch Backgroundsängerinnen dazu, die noch mal mehr Schwung in die Sache reinbringen.

Erster Act auf der großen Main Stage für den Tag: Tove Lo. Ich weiß immer noch nicht, wie ich ihre Musik finden soll. Ihr Hit „Habits (Stay High)“ ist ein gemeiner Ohrwurm, den ich mal in Ordnung finde und dann nervt er mich auch total. Aber wenn sie doch schon mal da ist, kann man sich von ihr überraschen lassen. Überrascht bin ich von ihrer sehr guten live Stimme und ihrer Bühnenpräsenz. Auch wenn noch keine Massen vor der Bühne standen, so hat sie die dastehenden Leute gut unterhalten. Chapeau!

Aquilo habe ich erst vor kurzem im 5 Fragen an Portrait vorgestellt und seitdem bin ich ihnen verfallen. Mit „Human“ ging es los und sorgte für den ersten Gänsehaut- und Sprachlosigkeitsmoment für dieses Wochenende. Dieses Gesamtbild aus Band, Musik und der eigentlich sehr schlichten Bühnenshow hat super zusammengepasst. Von weitem habe ich noch mein Lieblingslied „Better Off Without You“ gehört und alles was danach kam, war die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Leider konnte ich mir ihren Auftritt nicht ganz anschauen, denn das erste Interview für das Wochenende stand an: L’aupaire.

Years & Years sind ja momentan wirklich in aller Munde. Die drei Briten haben gerade ihr Debütalbum „Communion“ rausgebracht. Gefallen haben sie mir damals schon im 5 Fragen an und ich muss mir noch unbedingt ihr Album anhören, leider noch nicht geschafft. Und leider habe ich sie auch verpasst – Schande über mein Haupt. Mein Wermutstropfen: Genau in dem Moment, als ich die Gemini Stage passierte, spielen sie „Take Shelter“.

Bilderbuch habe ich leider immer nur von der Ferne aus gehört, aber ich hatte sie ja schon in Erlangen gesehen, deswegen war das nicht allzu schlimm. Jamie xx habe ich leider mal komplett verpasst, angeblich soll er einfach nur sein neues Album „In Colours“ aufgelegt haben.

Im April hat mir Philipp von Sizarr noch verraten, dass sie jetzt zum vierten Mal auf dem Melt Festival spielen werden, und weil ich sie schon zweimal gesehen hatte und drei immer eine gute Zahl ist, war es wieder an der Zeit für einen Abstecher zum Intro Zelt. Ich wäre länger geblieben, doch London Grammar betraten mit Sack und Pack – sie hatten Streicher mit im Gepäck – die Main Stage. Auf die große Bühne haben sie allemal gepasst, doch auf das Festival? Ich weiß ja nicht so recht. Die Stimme von Hannah ist einfach beeindruckend, keine Frage, doch eine Stimme allein reicht leider nicht immer aus, um einen zu fesseln. Für mich ist London Grammar keine typische Festivalband, die mal eben alle zum Tanzen bringt. Mir wurde da bewusst, dass mir schon langsam die Beine vom Gehen und Stehen schmerzten.

Für den Freitag, obwohl um ganz genau zu sein, war es ja schon Samstag, ging es ein letztes (oder erstes Mal?) ins Intro Zelt zu Romano. Schon viel über ihn gehört, aber noch gar nichts von ihm! Tja, der scheidet die Geister. Entweder hasst oder liebt man ihn. Ich stehe noch in der Mitte mit der Tendenz zu lieben. Der Typ mit seinen zwei Zöpfen (ob er sich die selber flicht?), seinem Trainingsanzugsoutfit und den passenden Tanzschritten dazu ist genial! Wenn man bedenkt, dass er mal Schlager gesungen hat, wirken seine Rapeinlagen interessant. So ganz will das noch nicht rein in meinen Kopf …

Mit Holdin On von Flume in Hintergrund verließ ich das Gelände und Tag 1 war vollbracht.
Bis dahin hatte ich mich ganz gut geschlagen, was die Orientierung angeht. Der Samstag hat das komplett über Bord geworfen.

Samstag:
Geplant war, immer zwischen Main Stage und Intro Zelt zu pendeln. Gekommen ist es anders.

Soundchecks sind in der Regel nie besonders spannend oder gar aufregend, doch wenn Kylie Minogue auf der Bühne steht und alles für sie angepasst wird, dann ist das schon ein Erlebnis für sich. Für einen Bruchteil der Menge, die später noch vor der Main Stage stehen sollte, gab sie ein Medley ihrer größten Hits zum Besten. Es war einer der Momente, in dem mir bewusst wurde, warum mir das Bloggen über Musik so eine Riesenfreude bereitet. Denn zu diesem Zeitpunkt war das Festivalgelände noch so gut wie leer, nur die ganzen Mitarbeiter und Presseleute huschten schon herum. Kylie animierte uns zum Mittanzen und tanzte selbst auf der Bühne rum. Die Frau ist ganz schön clever und weiß sich gekonnt in Szene zu setzen. Auf der Bühne noch eine kleine Treppe aufbauen und schon ist das Größenproblem aus der Welt. Bei anderen Bands hängt einfach nur ein Banner mit Bandnamen im Hintergrund, bei Kylie eine riesige LED-Wand, auf der, was auch sonst, eine große Kylie zu sehen war. Ich konnte also erahnen, wie ihre Show später aussehen sollte …

Ein Highlight jagte das andere: Das Wanda-Interview stand als nächster Programmpunkt bei mir auf der Liste! Als Teaser schon mal vorneweg: Es war grandios und mit das lustigste Interview des Wochenendes.

Malky habe ich auch verpasst, aber den kann ich mir ja auch immer noch bei Nürnberg.Pop anschauen. Danach betraten die Amore-Bringer Wanda die Bühne! Ich hatte sie beim Modular Festival in Augsburg schon gesehen, war damals hellauf begeistert und ja fast neidisch auf den Hüftschwung von Marco Michaal Wanda. Die obligatorischen Zigaretten durften nicht fehlen, genauso wenig wie die Lederjacke und das aufgeknöpfte Hemd. Herrlich. Ich wollte Wanda gar nicht mehr gehen lassen, und da war ich nicht die einzige, die noch eine Zugabe wollte. Wanda müssen nicht viel machen, damit ihnen das Publikum zu Füßen liegt. Einmal Amore sagen und schwupps ist die Welt ein wenig besser. 1, 2, 3, 4 – es war so schön mit dir, Wanda!

Nach Wanda folgten AnnenMayKantereit. Das Intro Zelt bis hinten hin voll und warm, ob es bei einem anderen Act noch voller war? Ich kann’s mir nicht vorstellen. Die Jungs schon routiniert auf der Bühne, bringen wieder ihren Standardvorstellungssatz, der sich immer noch reimt, geben ihre Songs zum Besten und alle sind begeistert. Für mich nichts Neues nach ihrem Konzert im Februar im E-Werk und dem kurzen Auftritt beim Modular Festival. Das einzig Neue war für mich „Oft Gefragt“ zu hören, nachdem ich schon im Now Playing verraten habe, welche Emotionen der Song bei mir auslöst. Und doch war es noch nicht der emotionalste Moment für dieses Wochenende …

Zurück zur Main Stage begrüßten mich Django Django mit ihrer sehr instrumental-lastigen Musik. Ich dachte ja, die singen mehr. Trotzdem haben mir die Engländer ganz gut gefallen und ich werde mich noch mal in ihre Musik reinhören.
Laut Plan wäre ich zurück zum Intro Zelt gelaufen, um mir mal Kwabs anzuschauen. Wenn er auf dem Melt ist und ich auch, kann man ja mal hin. Den habe ich aber komplett verpasst, weil ich bei Young Fathers, die auf der Gemini Stage spielten, stand. Warum ich dachte, die machen ruhigen Electro-Pop oder ähnliches, ist mir ein Rätsel. Ich komme an und werde von lauten Bässen und drei Sängern begrüßt. Anfangs war ich mir noch sehr unsicher, wie ich das finden soll und konnte auch nichts damit anfangen, doch mit der Zeit fand ich richtig Gefallen daran. Das war ein schräger, aber guter Auftritt, weil es einfach das komplette Gegenteil zu dem war, was ich erwartet hatte.

Nach dieser Überraschung war es an der Zeit für die Grande Dame des Abends: KYLIE MINOGUE!
Es war die bunteste und poppigste Show, die ich an diesem Wochenende gesehen habe. Kylie, wie so oft mit Kopfschmuck und hohen Absätzen, betrat die Bühne, und ihre Tänzer hatten die ausgefallensten Kostüme an, die ich bis jetzt gesehen habe. Manche Kostüme wurden bestimmt von Oskar Schlemmer (unterrichtete am Bauhaus) inspiriert. Passte, das Bauhaus ist ganz in der Nähe in Dessau … Es war noch bunter, größer und pompöser als beim Soundcheck. Es war randvoll vor der Main Stage, als wäre jeder Festivalbesucher gerade bei Kylie.

Doch so war es eben nicht. Es wanderten immer noch welche herum auf der Suche nach der passenden Bühne. Im Intro Zelt spielte die Kölner Band Von Spar feat. Ada. Für mich nach Kylie Minogue ein wenig langweilig und auf der Desperados Melt! Selektor Stage sah ich einen alten Bekannten wieder: Romano. Er ließ es sich nicht nehmen, während des Siriusmodeselektor Sets noch mal „Metalkutte“ zu performen. Bei mir war an dem Abend dann aber die Luft raus. Vielleicht haben mir Die Nerven auch einfach den Rest gegeben.

Sonntag:
Während es Freitag noch unerträglich heiß war und am Samstag gehagelt und gewittert hatte, war der Sonntag die Mischung aus beiden Tagen. Mal schaffte es die Sonne durch die dunkle Wolkendecke und zauberte einen wunderschönes Licht, mal regnete es unablässig ,und ich dachte schon, es würde gar nicht mehr aufhören. Gott sei Dank war es noch trocken, als ich die drei Jungs von Pool zum Interview traf. Auf dem Weg dahin lauschte ich Ibeyis Klängen. Die beiden Schwestern kamen mir bekannt vor und machten mich neugierig auf ihre Musik. Muss ich mir auch unbedingt noch mal anhören! Gengahr eröffneten im Regen die Main Stage und taten mir leid. Fast keiner stand direkt vor der Bühne, sondern alle hatten sich irgendwo verteilt untergestellt. Nur ein paar Regenfeste haben sich vor die Bühne getraut. Haben mir sehr gut gefallen, die Jungs aus England.

Schon den ganzen Tag drehten sich meine Gedanken um ALT-J. Sonntag war der Tag, an dem ich sie endlich live sehen sollte, und alle Bands, die ich davor sah, haben nicht meine ganze Aufmerksamkeit bekommen. Joy Wellboy habe ich im Mai im Club Stereo verpasst und auf dem Melt fast schon wieder. Fast. Die letzten Songs habe ich noch mitbekommen und ich könnte mir selbst eine Backpfeife geben, warum ich nicht mehr gesehen habe. Die wirken live fast besser als auf der CD, äh Youtube. Danach betrat Seinabo Sey die Bühne. Kannte den Namen nicht. Ihre Musik anscheinend schon, aber wo ich sie zwar schon mal gehört habe, ist mir schleierhaft. Die Frau hat mich beeindruckt und ich stand mit offenem Mund im Publikum. Die Stimme … Ich sag’s euch, wenn ich nicht wüsste, dass da gerade eine Frau singt, hätte es auch ein Mann sein können. Ist von Lied zu Lied unterschiedlich. Jedenfalls wirkte sie sehr erhaben und stark in ihrem roten Gewand. Fast so, als würde alles an ihr abprallen. Nur die Liebe eben nicht. Als Einstimmung für den nächsten Song erzählte Seinabo, dass sie drei Jahre lang gewartet hat, um ihrem Schwarm ihre Liebe zu gestehen und dann noch per SMS. Hätte mächtig in die Hose gehen können, ist es aber nicht. Taylor Swift hätte über die Trennung bestimmt einen klasse Song schreiben können, ist ja eher ihr Metier. Was gibt Seinabo einem mit? Keine drei Jahre warten, sondern nur 30 Sekunden. Ist notiert.

Nächster Programmpunkt: Darwin Deez Interview. Leider bekomme ich so nur noch den letzten Song von Pool mit, schade aber auch. Hatte Jamie T nicht mal einen Hit, der seit dem in allen Indie Discos dieser Welt läuft? Da war doch was …

Tja nur noch Ride überstehen und dann ist es so weit: ALT-J! Hach ja, sie haben einfach den Matilda-Bonus. Da kann ich leider nix dagegen sagen. Ich habe nicht erwartet, dass sie „Matilda“ schon so früh spielen, und als er dann kam, war ich sprachlos und komplett emotional verwirrt. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn euch die Luft wegbleibt, ihr Gänsehaut am ganzen Körper habt ,und eigentlich sollte man wieder atmen, doch es geht nicht? Das hatte ich das ganze Lied durch. Wenn ALT-J und tausend andere Menschen deinen Namen singen, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Zu wissen, dass sich dieser Song um Leon der Profi dreht, der Film nach dem ich benannt wurde, ist zu viel für meinen Kopf. Fand ich komisch, meinen eigenen Namen dann mitzusingen, das habe ich auch sein gelassen. Alle folgenden Songs waren gut, hatten es aber nach dem Erlebnis schwer.

Zum Abschluss gab es noch Toro y moi. Zwischendurch fand ich es langweilig und konnte nichts damit anfangen, aber zum Ende hin haben sie mir da schon besser gefallen und ich freute mich, als sie „Spell It Out“ spielten. Endlich wieder etwas bekanntes, das meine Ohren zum Abschluss hörten. Ich gebe ihnen auf jeden Fall noch eine Chance, denn ihre Wes Anderson-angehauchten Musikvideos finde ich klasse. Siehe da, in einer ruhigen Minute noch mal durch ihre Lieder gehört, gefallen sie mir besser und ich höre Unterschiede und kein gefühlt 30 Minuten langes Lied.

Liebes Melt Festival, ich werde wieder kommen! Schon alleine diese riesen Bagger, die abends beleuchtet werden, und die Diskokugeln, die überall verteilt hängen und so eine schönes Licht zaubern, machen es zu einem ganz besonderen Festival! Das nächste Mal finde ich mich auch zurecht, versprochen!
Melt, you melt my heart! Und das wegen der Hitze und weil du mir ALT-J beschert hast.

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www.meltfestival.de
www.facebook.com/meltfestival

/Text und Bild: Matilda Pfeil /